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11 USA The wars of the USA at the end of the 20th century. Never seen before. Unique in the world

Die verlogene und verbrecherische Nahostpolitik der USA zeigt sich besonders gut an dem ambivalenten Verhältnis zu Saddam Hussein und zum Irak. Stehen die USA im Krieg des Irak gegen den Iran noch an der Seite von Saddam Hussein so mutiert dieser in seinem Krieg gegen Kuwait zur Verkörperung des Bösen schlechthin. Nach 9/11 wird er endgültig zur Hassfigur und zur Inkarnation des Terrorismus. Unter dem Vorwand der Irak sei im Besitz von Massenvernichtungswaffen greifen die USA und ihr ergebener Vasall GB Bagdad an und töten Hunderttausende Irakis, die meisten davon Zivilisten. Massenvernichtungswaffen wurden nie gefunden.

Hintergrund: Erster  Golfkrieg

Bereits 1980, im zweiten Jahr seiner Präsidentschaft, beginnt Saddam Hussein einen Krieg gegen das Nachbarland Iran – den ersten Golfkrieg. Wegen der dortigen, seit 1978 aufkommenden islamischen Revolution, hält Hussein den Iran für hinreichend geschwächt und seinen Angriff für strategisch günstig. Auslöser sind Grenzstreitigkeiten. Der wahre Hintergrund aber sind Saddams Befürchtungen, die irakischen Shiiten könnten sich durch die islamische Revolution im Nachbarland beflügelt fühlen, auch im Irak nach der Macht zu greifen. Zunächst ist die irakische Armee erfolgreich und erobert die iranische Stadt Khorramshar. Doch der Iran verfügt über ungleich höhere menschliche und materielle Ressourcen, nicht zuletzt durch die Rüstungshilfe der USA. Teheran startet eine erfolgreiche Gegenoffensive und vertreibt die irakischen Truppen. Ein zäher Stellungskrieg beginnt, bis der Iran nach einem Jahr in den Irak vorstößt. Als kurdische Kämpfer mit iranischer Untersützung im Norden des Landes aktiv werden, lässt Saddam 1988 über der nordostirakischen Stadt Halabdscha Giftgas abwerfen. 5.000 Zivilisten kommen bei dem Angriff um. Für eine ganze Generation von Kurden wird Halabdscha zum neuen Symbol des Widerstandes. Im selben Jahr noch schließen der Iran und der Irak einen Waffenstillstand. Hunderttausende Iraker und Iraner sind in den acht Kriegsjahren gestorben. Der in den 1970er Jahren noch wohlhabende Irak ist ruiniert.

Geruch von Müll und süßen Äpfeln

Es war der schlimmste Giftgaseinsatz seit dem Ersten Weltkrieg: 1988 wurde die irakische Stadt Halabdscha bombardiert – von Saddam Husseins Armee. Der Diktator wollte ein Exempel an der kurdischen Minderheit statuieren. Chemikalien und Geräte für die Waffenherstellung lieferte der Westen.

Von Christoph Gunkel

15.03.2013, 17.08 Uhr

Halabdscha – Einsatz von Giftgas

Neuer Text

Reagan tolerierte Saddam Husseins Giftgaseinsatz im Iran/Irak-Krieg

CIA-Dokumente belegen Kooperation zwischen USA und Irak

 Markus Kompa   am 27. August 2013

Auszüge aus dem Artikel von Markus Kompa

“Die Zeitschrift Foreign Policy hat freigegebene Dokumente der CIA aus den 1980er Jahren publiziert, welche die Zusammenarbeit der USA mit dem Irak bei Giftgasangriffen gegen den Iran belegen. So war der Reagan/Bush-Administration bekannt, dass der damals von den USA hochgerüstete treue Partner Saddam Hussein Senfgas und Sarin bei vier großen Angriffen auf den Iran einsetzte. Dennoch stattete die US-Regierung Hussein mit Satellitenaufnahmen und militärischen Karten des Iran aus.

Der Besitz solcher Waffen war kaum überraschend, denn die Chemikalien waren u.a. vom damaligen Sondergesandten Donald Rumsfeld geliefert worden. Damals hatten die USA offiziell eine Kenntnis vom tatsächlichen Einsatz der Chemiewaffen dementiert. Die Iraker hatten den geplanten Einsatz gegenüber den USA nie zugegeben, dies war jedoch auch nicht erforderlich gewesen, weil man bereits Kenntnis hiervon hatte. Die nun aufgetauchten Dokumente (u.a. des vormaligen Militärattachés in Bagdad, Air Force Col. Rick Francona) belegen, dass Reagan und Bush sen. sehr wohl wussten, dass die Chemiewaffen auch eingesetzt wurden.

Der Iran hatte bereits 1983 den Irak vor der UNO beschuldigt, Giftgas eingesetzt zu haben, befand sich jedoch in Beweisschwierigkeiten. Reagan, der einen irakischen Sieg erhoffte, nahm den Einsatz von Chemiewaffen jedoch in kauf und schwieg loyal zu seinem Kriegskameraden. Die UNO stellte den Einsatz von Chemiewaffen erstmals 1986 fest, während den USA laut den nun veröffentlichten Dokumenten bereits 1982 entsprechende Erkenntnisse vorlagen. Auch heute möchte die CIA die Angelegenheit nicht kommentieren.

Exclusive: CIA Files Prove America Helped Saddam as He Gassed Iran

Foreign Policy BY SHANE HARRIS AND MATTHEW M. AID | AUGUST 26, 2013

The U.S. knew Hussein was launching some of the worst chemical attacks in history — and still gave him a hand.

The U.S. government may be considering military action in response to chemical strikes near Damascus. But a generation ago, America’s military and intelligence communities knew about and did nothing to stop a series of nerve gas attacks far more devastating than anything Syria has seen, Foreign Policy has learned.

In 1988, during the waning days of Iraq’s war with Iran, the United States learned through satellite imagery that Iran was about to gain a major strategic advantage by exploiting a hole in Iraqi defenses. U.S. intelligence officials conveyed the location of the Iranian troops to Iraq, fully aware that Hussein’s military would attack with chemical weapons, including sarin, a lethal nerve agent.

The intelligence included imagery and maps about Iranian troop movements, as well as the locations of Iranian logistics facilities and details about Iranian air defenses. The Iraqis used mustard gas and sarin prior to four major offensives in early 1988 that relied on U.S. satellite imagery, maps, and other intelligence. These attacks helped to tilt the war in Iraq’s favor and bring Iran to the negotiating table, and they ensured that the Reagan administration’s long-standing policy of securing an Iraqi victory would succeed. But they were also the last in a series of chemical strikes stretching back several years that the Reagan administration knew about and didn’t disclose.

U.S. officials have long denied acquiescing to Iraqi chemical attacks, insisting that Hussein’s government never announced he was going to use the weapons. But retired Air Force Col. Rick Francona, who was a military attaché in Baghdad during the 1988 strikes, paints a different picture.

Ironie der Geschichte:

2003 hatte die US-Regierung dem inzwischen zum Feind erklärten Irak den drohenden Einsatz chemischer Massenvernichtungswaffen unterstellt und damit die Bombardierung und Besetzung des Irak gerechtfertigt. Damals hatte die CIA Kenntnis, dass dieser Vorwurf nicht den Tatsachen entsprach, schwieg jedoch loyal zum Weißen Haus. Aktuell werfen die USA Syrien den Einsatz von Giftgas vor, womit Militärschläge gerechtfertigt werden sollen.

Rumsfeld helped Iraq get chemical weapons

 Rumsfeld helped Iraq get chemical weapons

“US Defence Secretary Donald Rumsfeld helped Saddam Hussein build up his arsenal of deadly chemical and biological weapons, it was revealed last night.

As an envoy from President Reagan 19 years ago, he had a secret meeting with the Iraqi dictator and arranged enormous military assistance for his war with Iran.

The CIA had already warned that Iraq was using chemical weapons almost daily. But Mr Rumsfeld, at the time a successful executive in the pharmaceutical industry, still made it possible for Saddam to buy supplies from American firms.”

Verheerender Krieg  von Peter Philipp | 20.08.2008 

Verheerender Krieg  von Peter Philipp | 20.08.2008 

Den Artikel gebe ich verkürzt wieder. Wer mag, kann den gesamten Artikel durch Anklicken des Links lesen.

„Der erste Golfkrieg zwischen Iran und Irak endete am 20. August 1988 mit einem Waffenstillstand. Von Frieden aber kann bis heute in der Region keine Rede sein.

Niemand ahnte, was für ein verheerender Krieg entfacht werden sollte, als der irakische Staatschef am 22. September 1980 den Befehl zum Angriff auf den Iran gab. Iranische Städte wurden bombardiert. Irakische Truppen marschierten in Khusestan ein, einer auch von Arabern bewohnten iranischen Provinz, die Bagdad sich als „Arabistan“ einverleiben wollte….

Unbegrenzte Waffenkäufe

So absurd das heute nach dem Sturz und der Hinrichtung Saddam Husseins klingen mag: Bagdad konnte schier unbegrenzte Waffenkäufe im Westen tätigen, es wurde sogar mit chemischen Waffen (aus Deutschland!) beliefert und setzte diese im Krieg gegen den Iran ebenso ein wie auch – gegen Ende dieses Krieges, im März 1988 – gegen irakische Kurden in Halabja.

Die wichtigste, aber dennoch ineffektive Waffe des Iran war das Heer – bestehend aus jungen Leuten, die Khomeini blind ergebenen waren und bereit zum Opfertod für ihr Land und für ihren Glauben. Mehr als eine halbe Million Iraner, die meisten von ihnen kaum oder schlecht bewaffnete junge Märtyrer, kamen im Golfkrieg um. (Zum Vergleich: Der Irak verlor mindestens 400.000 Soldaten)…..

Tiefe Feindschaft

Die Waffenruhe beendete zwar den Krieg, nicht aber die tiefe Feindschaft gegenüber dem Regime Saddam Husseins: So, wie einst Schah-kritische Iraner – unter ihnen Khomeini – im Irak Zuflucht fanden, so nahm Teheran jetzt irakische Saddam-Gegner auf, besonders Schiiten und Kurden. Und diese sind es auch, die im neuen Irak wichtige Rollen übernommen haben. Wie etwa Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Ironie des Schicksals aber, dass das Saddam-Regime nicht von diesen und auch nicht vom Iran beseitigt wurde, sondern vom „großen Satan“ USA.“

Die Iraker hatten zunächst leichtes Spiel, denn die Islamische Revolution seit der Rückkehr Imam Khomeinis Anfang 1979 hatte den Iran stark geschwächt: Das unter dem Schah noch als größte regionale Streitkraft betrachtete Militär war dezimiert und führungslos, die alten politischen Führer vertrieben oder getötet und die neuen klerikalen Führer alles andere als ihrer neuen Aufgabe gewachsen. Besonders nicht einer Herausforderung, wie sie der irakische Angriff darstellte

Die Besetzung Kuwaits durch den Irak

Text: Marc Thörner

“Einziges Mittel, um das Niveau der „fetten 1970er Jahre“ wieder zu erreichen, sind für den Irak die Öleinnahmen. In der OPEC, dem Verband erdölexportierender Staaten, dringt Saddam Hussein darauf, die irakische Förderquote steigern zu dürfen. Doch vor allem das Nachbarland Kuwait widersetzt sich dem, weil eine steigende Produktion die Ölpreise drücken könnte. Nach dem erfolglosen Krieg gegen den Iran glaubt Saddam Hussein zudem, seiner Bevölkerung einen „Erfolg“ vorweisen zu müssen. Daher überfallen irakische Truppen am 2. August 1990 das militärisch schutzlose Emirat Kuwait – aus Sicht der USA, Großbritanniens, Saudi Arabiens und anderer westlich dominierter Staaten eine Bedrohung der eigenen Wirtschaftsinteressen.Kurz nach dem Einmarsch in Kuwait lässt Saddam Hussein dort eine „Marionettenregierung“ bilden, die am 8. August den Anschluss an den Irak verkündet. Der UN-Sicherheitsrat erklärt die Annexion Kuwaits für völkerrechtlich null und nichtig und beschließt mit der UN-Resolution 661 harte Sanktionen gegen den Irak. Im besetzten Territorium geht die irakische Armee äußerst brutal vor, plündert und verschleppt zahlreiche Kuwaitis, die spurlos verschwinden. Einige hundert westliche Ausländer lässt Saddam Hussein als Geiseln nehmen und zwingt manche von ihnen, vorgefertigte Erklärungen im Staatsfernsehen abzugeben. Bis zum November 1990 können die westlichen Geiseln, nach Interventionen ihrer Heimatländer, den Irak verlassen.

Stimmungsmache

Der ins Ausland geflohene kuwaitische Emir al Sabah setzt währenddessen alle Mittel in Bewegung, die Weltöffentlichkeit für sich zu gewinnen. In den USA erhält der Herrscher Unterstützung. Die amerikanische Werbefirma Hill & Knowlton startet eine sensationelle Medienkampagne mit einer erfundenen GeschichteIrakische Soldaten hätten Brutkästen aus kuwaitischen Krankenhäusern gestohlen und über 300 Frühgeborene sterben lassen. Zeugen für die Gräueltat werden gefunden, und im November 1990 kommt es zu einer Anhörung vor der UNO.»Ich habe gesehen, wie die irakischen Soldaten mit Gewehren in das Krankenhaus kamen …, die Säuglinge aus den Brutkästen nahmen, die Brutkästen mitnahmen und die Kinder auf dem kalten Boden liegen ließen, wo sie starben.« Die Weltöffentlichkeit ist schockiert.Unter dem Eindruck dieser Medieninszenierung wendet sich die Stimmung in den USA und im UN-Sicherheitsrat für eine militärische Intervention am Golf. (..)Ein Jahr später, nach dem Ende des Golfkriegs, entlarven Journalisten die Geschichte der getöteten Brutkasten Babys als Lüge.“ 

KRIEGSLÜGEN: „Die Brutkastenlüge“

KRIEGSLÜGEN: „Die Brutkastenlüge“

„Als Brutkastenlüge wird die über längere Zeit als Tatsache verbreitete Lüge bezeichnet, dass irakische Soldaten bei der Invasion Kuwaits im August 1990, dem Beginn des Zweiten Golfkriegs, kuwaitische Frühgeborene getötet hätten, indem sie diese aus ihren Brutkästen gerissen und auf dem Boden hätten sterben lassen.“ (Wikipedia)

Nach dem Krieg stellte sich die Geschichte als Erfindung der amerikanischen PR-Agentur Hill & Knowlton heraus

Die deutsche Dependance der Firma Hill & Knowlton Communications GmbH befindet sich in Berlin. Weitere Büros existieren in Düsseldorf und Frankfurt am Main. (Stand 2018)

Hill & Knowlton sowie die, die diese Kriegslügen verbreitet hatten, wurden nie zur Verantwortung gezogen.

Der  Anlass für den Zusammenschnitt der Berichte über die „Brutkastenlüge“  sind die Berichte über den Einsatz von Giftgas durch die syrische Regierung (April 2018). 

Die meisten Kriege wurden (werden) mit Lügen eingeleitet, um in der Bevölkerung dafür eine Unterstützung zu bekommen. Hinter diesen Lügen stehen Politiker, PR-Firmen, Lobbyorganisationen, Geheimdienste, … Fotografen, Kamerateams und Schauspieler(innen)  verdienen ihr Geld damit, die Öffentlichkeit zu täuschen.

BUSH UND DIE BRUTKASTENLÜGE

Im folgenden Fall wurde die „con yourself-Methode – glaube deiner eigenen Lüge“ eingesetzt, um den 2. Golfkrieg zu rechtfertigen. (..). Die sogenannte „Brutkastenlüge“ hatte Einfluss auf die öffentliche Debatte über die Notwendigkeit eines militärischen Eingreifens zugunsten Kuwaits und wurde vom damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush vielfach zitiert. Erst nach der US-geführten militärischen Intervention zur Befreiung Kuwaits stellte sich die Geschichte als Erfindung der amerikanischen PR-Agentur Hill & Knowlton heraus. Die war von der kuwaitischen Regierung bezahlt worden, um die Rückeroberung Kuwaits mittels Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen.

Monitor (WDR) und Dokumentation Golfkrieg 1991

Erster Irakkrieg: Die Baby-Lüge der USA (1992)

WDR 21.05.2015 

Saddam Husseins Soldaten dringen in Krankenhäuser ein, reißen Babys aus Brutkästen und lassen sie auf dem kalten Boden sterben. Diese grausame Geschichte war einer der Gründe, warum der US-Kongress für den Ersten Irakkrieg stimmte. Nur: Die Geschichte wurde von professionellen Meinungsmachern erfunden, wie MONITOR aufdeckte.

Bewusste Täuschung

* Aus: junge Welt, Montag, 3. August 2015

“Vor 25 Jahren marschierte Iraks Präsident Saddam Hussein nach Gesprächen mit Washington in Kuwait ein. Fünf Monate später wurde seine Armee von den USA vernichtend geschlagen.”    Knut Mellenthin  

Am 2. August 1990 drangen irakische Truppen in das Emirat Kuwait ein und gewannen in knapp zwei Tagen die vollständige Kontrolle über das kleine Nachbarland. Am 28. August 1990 annektierte Irak das kuwaitische Territorium offiziell als 19. Provinz. Die indirekte Folge war fünf Monate später der Golfkrieg, der im Februar 1991 mit der Rückeroberung Kuwaits durch eine von den USA angeführte Allianz endete, der sich 34 Staaten angeschlossen hatten.

Überraschend kam der Einmarsch vom 2. August 1990 nicht. Seit Monaten hatte sich die Führung in Bagdad über Kuwaits Verhalten öffentlich beschwert und von Zeit zu Zeit auch Drohungen ausgesprochen, während zugleich Verhandlungen stattfanden, die hauptsächlich von Saudi-Arabien und Ägypten vermittelt wurden. Die umfangreichen Vorbereitungen des irakischen Militärs auf den Angriff waren auch der US-amerikanischen Luftaufklärung und ihrem weltweiten Abhörapparat nicht verborgen geblieben. Genauer gesagt: Der Irak hatte gar nicht versucht, die Konzentration seiner Truppen an der Grenze geheimzuhalten, sondern hatte sie geradezu bewusst als Signal eingesetzt.

Kuwait hat nur vier Prozent der Fläche Iraks. Weniger als ein Drittel seiner Einwohner sind kuwaitische Staatsbürger. Die übrigen sind ausländische Arbeiter, mehrheitlich aus Indien, Pakistan und anderen asiatischen Ländern. Der Reichtum des Emirats sind seine Ölreserven, mit denen es gegenwärtig meist auf Platz 6 der Weltrangliste geführt wird. Sie waren auch der vermutlich wichtigste Grund für die Entscheidung von Präsident Saddam Hussein, das Nachbarland zu einem Teil Iraks zu machen.

Um den Hintergrund der Konfrontation zu verstehen, muss man weitere zehn Jahre zurückgehen. Am 22. September 1980, rund anderthalb Jahre nach der »islamischen Revolution« in Teheran, hatte Iraks Staatspräsident Saddam Hussein seinen Truppen den Befehl gegeben, auf dem Land, zu Wasser und in der Luft einen umfassenden Krieg gegen den Iran zu beginnen. Die meisten Länder des Westens und die sunnitischen Monarchien der Arabischen Halbinsel, aber auch die Sowjetunion und China unterstützten den Irak dabei materiell, finanziell und politisch. Da Bagdads Aggression den strategischen Zielen der US-Administration hundertprozentig entgegenkam, vollzog sich schnell eine diplomatische Annäherung, obwohl Hussein zuvor aufgrund seiner Unterstützung für militante und terroristische Palästinensergruppen eine Schurken-Hauptrolle übernommen hatte. Die freundliche Grundstimmung zwischen beiden Regierungen herrschte im wesentlichen auch noch im Sommer 1990.

40 Milliarden Schulden

Der Krieg zwischen Irak und Iran zog sich bis zum August 1988 fast acht Jahre lang hin. Mehrere hunderttausend Menschen auf beiden Seiten wurden getötet oder gravierend verletzt. Die materiellen Schäden waren riesig. Aber während Iran den Kampf nahezu völlig allein und ausschließlich aus eigener Kraft durchstehen musste, hatte sich auf irakischer Seite ein riesiger Berg von Schulden angehäuft, weil sie den Krieg mit Hilfe westlicher und arabischer Anleihen finanziert hatte. Saddam stellte sich auf den nachvollziehbaren Standpunkt, dass Irak schwerste Opfer für die gemeinsame Sache gegen den schiitischen »Feind« gebracht habe. Demzufolge sei es nicht mehr als recht und billig, wenn die superreichen arabischen Monarchien sich an den Lasten wenigstens finanziell beteiligt hätten. Von irakischen Schulden könne daher genau betrachtet gar nicht die Rede sein.

Diese Sicht der Dinge schien den herrschenden Kreisen der Arabischen Halbinsel zwar durchaus einleuchtend, als sie sich 1991 mit vielen Milliarden Dollar an den US-amerikanischen Kriegskosten beteiligten, ohne eine Rückzahlung zu fordern. Aber gegenüber dem Irak, einer Regionalmacht zweiter Ordnung, die zudem durch einen langen Abnutzungskrieg geschwächt war, bestanden die Saudis und ihre Partner auf zügiger Begleichung der Schulden. Deren Höhe gab Saddam im Sommer 1990 mit 40 Milliarden Dollar an. 14 Milliarden entfielen allein auf Kuwait. Den Forderungen der Monarchien nachzukommen, drohte darauf hinauszulaufen, ihnen zentrale Teile der irakischen Wirtschaft, hauptsächlich der Ölvorkommen, zu übereignen.

Mit der Annexion dieses monarchischen Staates schaffte sich die irakische Führung nicht nur einen der hartnäckigsten Gläubiger vom Hals, sondern setzte sich zugleich in den Besitz einer Ölförderung, die zu jener Zeit bei fast zwei Millionen Barrel pro Tag lag. Zum Vergleich: Irak selbst gewann im Juli 1990 täglich rund 3,5 Millionen.

Weitere Konfliktthemen kamen hinzu. Besonders schwerwiegend war für den Irak, dass Kuwait damals und schon seit einiger Zeit die von der OPEC festgelegte Förderquote um fast 100 Prozent überschritt. Praktisch kam das einem Wirtschaftskrieg gegen den Irak gleich. Zwangsläufige Folge war ein niedriger Ölpreis, der den Irak jedes Jahr um die zehn Milliarden Dollar kostete. Unerwähnt blieb in Saddams Polemik lediglich, dass diese Verluste ebenso den verhassten Iran trafen.

Außerdem wurde zwischen Irak und Kuwait schon seit Jahrzehnten um den Grenzverlauf gestritten. Da beide Staaten einst zum Osmanischen Reich gehört hatten und nach dem Ersten Weltkrieg unter direkte britische Herrschaft gekommen waren, gab es zwar Verwaltungsgrenzen, aber eine Staatsgrenze zwischen den beiden Gebieten war niemals markiert worden. Saddam behauptete mit historisch falschen und politisch irrelevanten Behauptungen sogar, dass ganz Kuwait rechtmäßig ein Teil Iraks sei. Tatsächlich hatte es bis 1920 keinen irakischen Staat gegeben, wohl aber schon seit Jahrhunderten ein begrenzt souveränes kuwaitisches Fürstentum.

Zwei Fragen standen aus irakischer Sicht bei diesen Streitigkeiten im Vordergrund: Erstens der Verlauf der Grenze über wichtigen Ölvorkommen. Zweitens der ungeteilte Zugang zum Persischen Golf über den Schatt-Al-Arab, unter anderem zu dem Zweck, dort einen großen Seehafen zu bauen. Der Konflikt um dieses Gebiet, in dem drei Staaten aneinander grenzen, gehörte auch zu den Gründen, die Saddam 1980 zum Angriff auf den Iran veranlasst hatten.

In die Falle gegangen?

Bald nach der Besetzung Kuwaits durch den Irak kam der Verdacht auf, die US-Regierung habe Saddam bewusst zu einer Fehleinschätzung ihrer Reaktion gebracht, um ihn in eine Lage zu bringen, aus der er sich dann ohne Gesichtsverlust nicht mehr befreien konnte. Das Hauptindiz für diese These ist ein zweistündiges Gespräch zwischen dem irakischen Präsidenten und der Botschafterin der USA in Bagdad, April C. Glaspie, das am 25. Juli 1990, nur acht Tage vor der Invasion, stattfand. Der Irak veröffentlichte im September 1990 ein angebliches Protokoll der Unterredung, aus dem hervorgehen sollte, dass Washington durch seine Diplomatin grünes Licht für die Besetzung Kuwaits signalisiert habe. Glaspie reagierte mit der Behauptung, das irakische Schriftstück sei »largely fabricated«, weitgehend gefälscht.

Aber der Vorwurf war dadurch nicht aus der Welt zu schaffen. Im März 1991, man hatte anstandshalber nur gerade eben das Ende des Golfkrieges abgewartet, musste Glaspie sich einer Befragung durch den Außenpolitischen Ausschuss des US-Senats stellen, in dem die oppositionellen Demokraten die Mehrheit stellten. Die Diplomatin rechtfertigte sich, sie habe bei dem Treffen mit Saddam »eine harte Linie verfolgt« und ihn ausdrücklich vor einem Angriff auf das Nachbarland gewarnt.

Die Zweifel an dieser Darstellung blieben. Im Juli 1991 gelangten die beiden großen Tageszeitungen New York Times und Washington Post an Kopien des Berichts, den Glaspie kurz nach ihrem Gespräch mit dem irakischen Präsidenten an Außenminister James Baker geschickt hatte, und veröffentlichten Auszüge daraus. 2008 wurde das als geheim deklarierte Dokument auf Antrag freigegeben. Aus Glaspies Rapport geht hervor, dass Saddam während des Treffens immer wieder die Warnung an die US-Regierung ausgesprochen hatte, ihn jetzt nicht zu »demütigen« und in die Enge zu treiben. Anderenfalls würde er keine andere Wahl haben, als zu »antworten« – »so unlogisch und selbstzerstörerisch sich das auch erweisen würde«. »Irak wisse, dass die Regierung der USA Flugzeuge und Raketen schicken und Irak zutiefst schädigen könne. Saddam bat darum, die US-Regierung möge Irak nicht auf einen Punkt der Demütigung zwingen, an dem es genötigt wäre, die Logik zu missachten. Irak betrachte die USA nicht als Feind und habe sich um deren Freundschaft bemüht.« »Saddam sagte, die Iraker wüssten, was Krieg ist und wollten nicht noch mehr davon. ›Treiben Sie uns nicht dazu! Machen Sie es nicht zur einzig übriggebliebenen Option, mit der wir unsere Würde schützen können.‹«

Im Gegensatz dazu beschränkte sich Glaspie, ihrem eigenen Bericht an Baker zufolge, auf die nicht sehr substantielle Aussage, die USA könnten »niemals eine Konfliktlösung durch andere als friedliche Mittel entschuldigen«. Von einer klaren Warnung ist in ihrem Bericht nicht die Rede. Ihre Frage, welche Absichten hinter dem irakischen Truppenaufmarsch an der kuwaitischen Grenze stünden, leitete die Botschafterin mit den beschwichtigenden Worten ein, sie stelle diese »im Geiste der Freundschaft, nicht der Konfrontation«. Saddam antwortete, dass dies eine berechtigte Frage sei. Als Supermacht sei es geradezu die Pflicht der USA, sich Sorgen um den Frieden in der Region zu machen. »Aber wie sonst können wir ihnen (Kuwait und den Vereinigten Emiraten, K. M.) zu verstehen geben, wie sehr wir leiden?« Iraks finanzielle Lage sei dermaßen schlecht, dass man gezwungen sei, die Witwen- und Waisenrenten zu kürzen.

Glaspies zentrale Aussage im Gespräch mit Saddam, die von den Irakern angeblich als grünes Licht für die Invasion verstanden wurde, lautete in der Version ihres eigenen Rapports: Sie sei vor 20 Jahren, während früherer Verhandlungen zur Beilegung des Grenzkonflikts, als Diplomatin in Kuwait stationiert gewesen. »Damals wie heute beziehen wir zu diesen arabischen Angelegenheiten nicht Stellung.« – Dem von den Irakern veröffentlichten Protokoll zufolge sagte die Botschafterin wörtlich: »Wir haben zu Ihren arabisch-arabischen Konflikten, wie Ihrem Streit mit Kuwait, keine Meinung. Außenminister Baker hat mir aufgetragen, auf die Anweisung hinzuweisen, die erstmals in den 1960ern gegeben wurde, dass das Thema Kuwait nicht mit den USA verbunden sei.« Das Schriftstück verzeichnet an dieser Stelle: »Saddam lächelt«.

Selbst wenn man die irakische Gesprächswiedergabe außer acht lässt, wird allein aus Glaspies Bericht deutlich, dass Saddam seine Sicht der Dinge und seine von Verzweiflung angetriebene Denkweise mit äußerster Direktheit und Schonungslosigkeit offenbart hatte, während die US-Botschafterin sich, vermutlich weisungsgemäß, »bedeckt gehalten« hatte. So konnte die US-Regierung die nächsten Schritte des irakischen Präsidenten genau vorausberechnen, was umgekehrt nicht der Fall war. Ob man Saddam nicht sogar bewusst getäuscht hatte, mag angesichts dieser eindeutigen Ausgangslage dahingestellt bleiben. Die Schnelligkeit und offensichtliche Planmäßigkeit, mit der die weiteren Ereignisse an- und abliefen, spricht jedoch für diese Hypothese.

UN-Sicherheitsrat autorisiert Krieg

Noch am 2. August, wenige Stunden nach Beginn des Einmarsches in Kuwait, verabschiedete der UN-Sicherheitsrat seine erste Resolution, in der er den Irak scharf verurteilte sowie zum »sofortigen und bedingungslosen« Rückzug aufforderte. Zehn weitere folgten bis Jahresende. Schon vier Tage später folgte eine zweite Entschließung, mit der weitreichende internationale Sanktionen angeordnet wurden. Am 25. August autorisierte der Sicherheitsrat die Errichtung einer vollständigen Seeblockade gegen Irak, von der nur zu medizinischen und anderen »humanitären« Zwecken Ausnahmen gemacht werden konnten. Alle Beschlüsse erfolgten ohne Gegenstimme, bei Enthaltung des Jemen und Kubas. Schließlich machte der Rat am 29. November 1990 mit der Resolution 678 den Weg zum Krieg frei, indem er Bagdad ultimativ aufforderte, seine Truppen bis zum 15. Januar 1991 aus Kuwait abzuziehen und für den Fall der Nichtbefolgung schon im voraus alle erforderlichen militärischen Zwangsmaßnahmen autorisierte. Kuba und Jemen stimmten dagegen, China enthielt sich.

Über die Bedeutung des von der Sowjetunion mitgetragenen Ultimatums konnte zu diesem Zeitpunkt nicht der geringste Zweifel bestehen. US-Präsident George H. W. Bush hatte bereits am 7. August den Beginn der »Operation Desert Shield« – der Truppenaufstellung zum Krieg gegen den Irak – angeordnet. Noch am selben Tag begann die Verlegung von 48 Kampfflugzeugen aus den USA nach Saudi-Arabien. Zwei Flugzeugträger mit den sie begleitenden Kriegsschiffen wurden in den Persischen Golf entsandt. Am 12. August, 13 Tage vor der förmlichen Legitimierung durch den UN-Sicherheitsrat, errichtete die US-Marine eine Seeblockade gegen Irak. Ungefähr zur selben Zeit wurden die ersten US-amerikanischen Bodentruppen nach Saudi-Arabien verlegt.

Die offizielle Zustimmung des saudischen Regimes zur Nutzung seines Territoriums hatte der damalige Verteidigungsminister Dick Cheney am 5. August bei einem Besuch in Riad eingeholt. Im Gepäck hatte er Satellitenaufnahmen, die angeblich beweisen sollten, dass der Irak mehr als 200.000 Soldaten in Kuwait konzentriert habe, um als nächstes Saudi-Arabien anzugreifen. Kleiner Schönheitsfehler: Diese Behauptungen entsprachen nicht der Wirklichkeit. Aber zumindest in den nächsten Wochen blieb der »Schutz unserer arabischen Verbündeten« vor einer angeblich unmittelbar drohenden irakischen Aggression – und nicht etwa die »Befreiung« Kuwaits – der Vorwand für den Kriegsaufmarsch der USA und ihrer europäischen Verbündeten Großbritannien und Frankreich.

In den folgenden Monaten bis zum Kriegsbeginn am 17. Januar 1991 vollzogen die USA die umfangreichste und schnellste Truppenverlegung, die jemals in der Geschichte von einem Staat über eine so weite Strecke zu Wasser und in der Luft organisiert wurde. In den ersten drei Wochen der »Operation Desert Shield« wurde mehr Personal und Ausrüstung bewegt als in den ersten drei Monaten des Koreakriegs 1950. Allein durch die Luft wurde in den ersten sechs Wochen des Unternehmens mehr Material transportiert als während der gesamten Berliner »Luftbrücke« 1948/49, die 65 Wochen gedauert hatte.

»Operation Desert Shield«

Im Januar 1991 standen schließlich fast eine Million Soldaten aus 34 Ländern zum Angriff bereit. Das bei weitem größte Kontingent stellten mit 575.000 Mann die USA. Zum Vergleich: Im Afghanistan-Krieg setzte Wahington maximal 140.000 Soldaten ein, im 2003 begonnenen Irak-Krieg etwas mehr als 160.000. Ob das unverhältnismäßig große Truppenaufgebot zur »Befreiung« Kuwaits wirklich nur auf einer Überschätzung der Stärke der irakischen Streitkräfte beruhte, wie damals behauptet wurde, ist ungewiss. Vermutlich diente es mindestens ebenso sehr auch Übungs- und Demonstrationszwecken.

Vor dem Krieg hieß es, was schon damals evident falsch war, dass Saddams Armeen die viertstärksten der ganzen Welt seien. Phantasiezahlen über irakische Panzer und Kampfflugzeuge verbargen die entscheidenden Tatsachen: Die irakische Luftwaffe war angesichts der riesigen technischen Überlegenheit der von den USA geführten Koalition von vornherein nicht einsetzbar. Und die Panzer konnten aufgrund der feindlichen Luftherrschaft nicht bewegt werden, ohne sie der sofortigen Vernichtung auszusetzen.

Um die eigenen Verluste so gering wie möglich zu halten, bombardierten und beschossen die USA und ihre Verbündeten zunächst mehr als einen Monat lang die irakischen Streitkräfte, bevor sie am 23. Februar am Boden nach Kuwait vorstießen. Gleichzeitig diente der Luftkrieg auch dazu, die gesamte zivile Infrastruktur Iraks nachhaltig zu zerstören, ohne dass dies im Zusammenhang mit dem erklärten Kriegsziel stand.

Schon seit Mitte Februar 1991 hatte die irakische Führung nur noch verzweifelt nach Wegen gesucht, ihre Truppen aus Kuwait abziehen zu können, ohne dass dies mit einer offenen und totalen Kapitulation verbunden sein sollte. Am 16. Februar schaltete sich die Sowjetunion ein, indem sie den irakischen Außenminister Tariq Aziz zu Gesprächen nach Moskau einlud. Am 21. Februar gegen Mitternacht gab Aziz dort die Annahme der sowjetischen Vorschläge bekannt, die Waffenstillstand und den sofortigen Beginn des Rückzugs aus Kuwait nach einem noch zu bestimmenden Zeitplan vorsahen. Diese aus seiner Sicht höchst unerwünschte Entwicklung durchkreuzte Bush am 22. Februar mit einem Ultimatum: Bis 12 Uhr mittags am 23. Februar müsse Irak bedingungslos mit dem Abzug beginnen und diesen innerhalb einer Woche abschließen. Das US-Magazin Newsweek hatte schon mehrere Tage vorher berichtet, welche Forderungen nachgeschoben werden sollten, falls Saddam wider Erwarten ein solches Ultimatum akzeptieren würde: Rückzug der Truppen unter Zurücklassung aller schweren Waffen auf freigehaltenen Wegen, aber bei Fortsetzung der Luftangriffe gegen andere Gebiete.

Nach Ablauf der Frist begann die Bodenoffensive. Die irakischen Soldaten in Kuwait, die kaum Widerstand leisteten und sich sofort zu Tausenden ergaben, wurden in knapp 48 Stunden überrannt. In der Nacht vom 25. zum 26. Februar gab Saddam den Befehl an seine Streitkräfte bekannt, Kuwait zu verlassen. Die US-Regierung erklärte daraufhin, außer der totalen Kapitulation der Iraker nichts zu akzeptieren. Die Luftangriffe gegen die mehr flüchtenden als abziehenden Truppen wurden verstärkt fortgesetzt. In dieser etwa 60 Stunden dauernden letzten Kriegsphase, die das US-Militär zynisch als »Truthahnschießen« bezeichnete, wurden weit mehr irakische Soldaten getötet als in den vorangegangenen sechs Wochen.

293 US-Soldaten verloren während des Golfkrieges ihr Leben, von denen 148 als »im Kampf gefallen« gelten. Die genaue Zahl der irakischen Toten ist nicht bekannt, Schätzungen beginnen oberhalb von 100.000. Unter ihnen waren Tausende von Zivilpersonen, insbesondere Frauen und Kinder. Beim schwersten Zwischenfall wurden am 13. Februar 408 Menschen, die im Bagdader Stadtteil Amirijah Schutz in einem Bunker gesucht hatten, durch einen Luftangriff getötet. In den folgenden 13 Jahren wurde der Irak durch rücksichtslose Sanktionen ausgehungert, die vom UN-Sicherheitsrat gegen den besiegten Staat verhängt worden waren. Die dafür verantwortliche Resolution 687 vom 3. April 1991 wurde gegen die Stimme Kubas bei Enthaltung von Ecuador und Jemen, aber unter Mitwirkung der zu dieser Zeit schon in den letzten Zügen liegenden Sowjetunion und Chinas beschlossen. Sie machte die Aufhebung der Sanktionen von der vorherigen Zerstörung aller irakischen Massenvernichtungswaffen abhängig. Die Verwirklichung dieses Anspruchs war von vornherein technisch undurchführbar, da sich die Behauptung, Irak besitze heimlich doch noch irgendwo solche Waffen, nach den Gesetzen der Logik niemals widerlegen ließ.

Auf die Vorhaltung, dass aufgrund der Blockademaßnahmen eine halbe Million irakische Kinder durch Unterernährung und medizinische Unterversorgung gestorben seien, antwortete die damalige amerikanische Vertreterin bei den Vereinten Nationen, Madeline Albright, am 12. Mai 1996 in einem CBS-Interview: Die Entscheidung sei hart gewesen, aber »wir glauben, es war den Preis wert«.

* Aus: junge Welt, Montag, 3. August 2015

KUWEITS BESETZUNG 1990 

 “Wer mit der Wüste vertraut war, versuchte zu fliehen..  “           

 Rainer Hermann am 01.08.2015                                             

Zwischen den Kriegen

 Der Erste und der Zweite Golfkrieg

Auszüge aus dem Dossier.

“Der UN-Sicherheitsrat verpflichtet den Irak zur vollständigen Beseitigung aller Massenvernichtungswaffen und setzt eine Sonderkommission zur Rüstungskontrolle ein. Die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) soll die Beseitigung des irakischen Nuklearwaffenprogramms gemäß dem Atomwaffensperrvertrag verifizieren. Das seit 1990 bestehende Wirtschafts- und Waffenembargo wird nach Kriegsende immer wieder erneuert, da der Irak die Auflagen der UNO nur schleppend erfüllt. Die Bevölkerung verarmt zusehends. Die medizinische Versorgung kann nicht mehr gewährleistet werden. Millionen Menschen sterben aufgrund der Versorgungsengpässe. Im Januar 1998 kündigt der Irak daraufhin der UN-Abrüstungsbehörde die Zusammenarbeit auf. Nach einem diplomatischen Tauziehen verlassen die UN-Inspektoren am 16. Dezember 1998 den Irak. In den folgenden vier Tagen bombardieren US-amerikanische und britische Flugzeuge in der „Operation Desert Fox“ Ziele im Irak.Mit sporadischen Bombardements reagieren die USA und Großbritannien bis ins Jahr 2001 immer wieder auf die „Zielerfassungen durch irakische Flugabwehr“. Die Lage spitzt sich nach dem Terrorangriff vom 11. September 2001 weiter zu: Aus US-amerikanischer Sicht bildet der Irak zusammen mit dem afghanischen Taliban-Regime die Speerspitze der antiwestlichen Propaganda. Nach Ansicht der konservativen Führungsschicht in den USA könnte ein demokratischer Irak einen Domino-Effekt auf die gesamte Region ausüben und dadurch letztlich dem islamisch motivierten Extremismus Einhalt gebieten. Mit großer finanzieller Unterstützung bereitet die Bush-Administration die im Irakischen Nationalkongress (INC) vereinigte irakische Exilopposition auf die Regierungsübernahme vor.”

Der Zweite Golfkrieg 1991

Der Zweite Golfkrieg

CNN-Reporter Peter Arnett berichtet live aus dem Irak (Quelle: dpa)

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Auszüge aus dem Dossier:

„Am 17. Januar 1991 beginnt der Zweite Golfkrieg mit einem schweren Bombardement Bagdads – live von den Kameras des US-Nachrichtensenders CNN übertragen. Die US-Armee stellt den Beschuss als „Präzisions Bombardement“ mit „intelligenten Bomben“ dar. Belegen sollen das Mitschnitte aus Flugzeugkameras, auf denen Raketen wie in Videospielen ihre Ziele zerstören, ohne dass menschliche Opfer zu erkennen sind. Anders als im Vietnamkrieg 20 Jahre zuvor, haben Kriegsberichterstatter nicht die Möglichkeit, den Angriff vom Boden aus selbst zu beobachten. Das Bild vom „sauberen Krieg“ soll gewahrt bleiben.

Tatsächlich fordert das Vorgehen der US-Armee Hunderttausende von Toten unter dem Militär und der Zivilbevölkerung. Seinerseits schießt der Irak Scud-Raketen auf Wohngebiete in Saudi Arabien und Israel in der Absicht, Zivilisten zu töten. Gegen Ende des Krieges, im März 1991, erheben sich, von der US-Regierung aufgefordert, die Schiiten im Süden des Irak und die Kurden im Norden. Das Land droht zu zerbrechen. Um einen Kurdenstaat und einen iranfreundlichen Schiitenstaat zu verhindern, unternimmt US-Präsident Bush nichts gegen die Strafmaßnahmen der verbliebenen irakischen Truppen: Zehntausende Kurden und Schiiten, unter ihnen viele Zivilisten, werden so vom Saddam-Regime ermordet und in Massengräbern verscharrt.”

Der Krieg der Bilder 17.01.201  

“Mit dem zweiten Golfkrieg begann ein neues Zeitalter der Kriegsberichterstattung. In Echtzeit zeigten die Medien, wie Alliierte Bomben über Bagdad abwarfen. Es war auch ein Kampf um Bilder und Inhalte.

(…)1991, im ersten Fernseh-Krieg, organisierten die USA deshalb ein ausgeklügeltes Informations-System, in dem Zensur und Desinformation eine erhebliche Rolle spielten. Eine „große Show“ nennt das Prof. Oliver Zöllner von der Hochschule für Medien in Stuttgart und erinnert an die grünstichigen Bilder, in denen Raketen wie Feuerwerkskörper am Nachthimmel von Bagdad erschienen. Die Bilder sollten die Vorstellung von einem „sauberen Krieg“ erwecken, in dem durch scheinbar chirurgisch präzise Eingriffswaffen die Zivilbevölkerung geschont werde. Später stellt sich heraus, dass es Schätzungen zufolge 3.000 bis 30.000 zivile Opfer gab.”

Der Nachkrieg

Bundeszentrale für politische Bildung 31.7.2020

Der Zweite Golfkrieg.

Am 2. August 1990 überfiel der Irak das benachbarte Emirat Kuwait. Fünf Monate später griff eine internationale Koalition unter Führung der USA in den Konflikt ein und drängte die irakischen Truppen zurück über die Grenze. Der Zweite Golfkrieg hatte Auswirkungen auf die gesamte Region.

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