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23 Putins incredible raw material power.Never seen before.  

Ukraine War: Russia is Pressing Westward. Is a Bigger Russian Offensive Coming Soon?

General Carl von Clausewitz and "The Principles of War"

By Dr. Jack Rasmus

Global Research, February 28, 2024

now forced the Ukraine government to reconsider and change the composition of that planned draft, the results of which have yet to be finalized yet. In the meantime reports and smartphone videos abound showing ‘recruitment teams’ composed of Ukrainian police and other para-military forces kidnapping military age Ukrainian men off the streets who are then sent to quick military training and then to military units on the front in east Ukraine.

In contrast to Ukraine’s difficulties replenishing its military forces, in the fall of 2023 Russia announced it was already training 420,000 new troops in 2023, available for combat by the winter 2024 and after. This mobilization of manpower was composed, according to the Russian Ministry of Defense, completely of volunteers, not draftees. Russia said Russian citizens were volunteering to join the Russian army at a rate of 1500 per day. It’s likely some of the 420,000 may have already been committed to the recent strategic battle of Avedeyevka, as part of Russia’s 40,000 troops there who took that city in mid-February 2024.

Residential building in Avdiivka city (Donetsk region of Ukraine) after Russian shelling and airstrikes on the city on 17 March 2023 (Licensed under CC BY 4.0)

Some of the 420,000 recruited and trained in 2023 are also certainly among the 110,000 Russia has amassed in the north Kharkhov-Kupiansk front, as well as among the 60,000 Russia has additionally assembled at its southern Zaporozhiye front.

All this preceding reference to the relative force numbers engaged at the outset of the conflict, then lost over two years, and now being mobilized in the third year is with a purpose.


Kapiteltrenner: Putin
Zum ersten Mal seit Kriegsbeginn in der Ukraine hat der Angreifer, der russische Präsident Wladimir Putin, einen westlichen Interviewer vorgelassen. Der ehemalige Fox-News-Moderator Tucker Carlson war aus den USA angereist und kam damit der Konkurrenz von Christiane Amanpour (CNN) zuvor, die ebenfalls ein Interview beantragt hatte.Das zweistündige Interview veröffentlichte Carlson heute Nacht auf X. In dem Gespräch machte Putin deutlich, dass Russland im Krieg mit der Ukraine „bis zum Ende“ für seine Interessen kämpfen werde.Auf die Frage, ob er sich ein Szenario vorstellen könne, in dem er russische Truppen nach Polen, einem NATO-Mitglied, schicken würde, antwortete Putin:
Nur in einem Fall, wenn Polen Russland angreift. Und warum? Weil wir kein Interesse an Polen, Lettland oder anderen haben. Warum sollten wir das tun? Wir haben einfach kein Interesse. “
Auf die Ukraine angesprochen, beschwerte sich der russische Präsident darüber, dass das Land bei den Gesprächen in Istanbul im April 2022 kurz vor einer Einigung über die Beendigung der Feindseligkeiten gestanden und dann aber einen Rückzieher gemacht habe:
Nun sollen sie sich überlegen, wie sie die Situation umkehren können. Wir sind nicht dagegen. (…) Diese endlose Mobilisierung in der Ukraine, die Hysterie, die innenpolitischen Probleme, früher oder später wird es zu einer Einigung kommen. “
In dem Interview sprach der russische Präsident auch über eine mögliche Freilassung des in Russland wegen Spionage angeklagten Reporters des „Wall Street Journal“, Evan Gershkovich:
Wir sind bereit, das Problem zu lösen, aber es gibt bestimmte Bedingungen, die zwischen den Geheimdiensten diskutiert werden. “
Der russische Präsident schlug indirekt vor, dass Moskau sich im Gegenzug die Freilassung des Russen Wadim Krasikow vorstellen könne, der 2021 in Berlin wegen Mordes an einem Georgier zu lebenslanger Haft verurteilt worden war.Ausländischen Journalisten hatte der russische Präsident schon länger keine Interviews mehr gegeben. Der Kreml erklärte, Putin habe dem Carlson-Interview zugestimmt, weil sich der Ansatz des ehemaligen Fox-News-Moderators von der einseitigen Berichterstattung vieler westlicher Nachrichtensender über den Ukraine-Konflikt unterscheide.
Es ist momentan einfach noch nicht der Zeitpunkt, weil es zumindest einer der Protagonisten derzeit zu seinem eigenen zynischen Nutzen auslegen wird. Das ist der Herr in Moskau. Jeder diplomatische Schritt würde als Sieg Moskaus deklariert werden.

Ukraine-Ticker

Prigoschin in Belarus: Baltische Staaten fordern verstärkten Grenzschutz

„Ja, wirklich, er ist heute in Belarus“, sagt der belarussische Machthaber. Einsatzkräfte hätten am Wochenende „faktisch einen Bürgerkrieg verhindert“, meint Russlands Präsident Putin in einer Rede vor dem Militär. Und der russische Geheimdienst stellt Ermittlungen gegen Prigoschin und seine Wagner-Armee ein.

Prigoschin und die Milliarden aus dem Kofferraum

Der russische Warlord Jewgenij Prigoschin ist nach seinem Aufstand nun in Belarus zwischengeparkt. Aber das Geld, das von ihm und den anderen 40 Privatarmeen als Sold für die Kämpfer und als Kompensationszahlungen für Gefallene in die Wirtschaft fließt, hinterlässt dort markante Spuren. Der Bargeldumlauf in Russland ist hochgeschnellt, und in den Provinzen kaufen sich Hinterbliebene Immobilien. Welche Summen kursieren hier? Und was geht da überhaupt vor sich?

„Bürgerkrieg verhindert“: Wie Putin wieder die Reihen hinter sich schließen will

Russlands Präsident Putin ist schwer unter Druck. Er meldete sich zum dritten Mal binen kürzester Zeit öffentlich zu Wort und beschwor die Einheit des Landes.

The “Russian Coup” that Wasn’t

By Dr. Paul Craig Roberts Global Research, June 26, 2023

Yesterday I posted a video discussion that Larry Sparano and I had about the  alleged “Russian coup.” See this

Looking back at our discussion, I am satisfied that we did a good job given the unresolved situation about which there was not much information.  I am addressing the “coup” again because there is a great deal to be learned from it that is not being learned.

It is discouraging to see that the Russian media is as capable of creating false narratives and setting them in stone as Western presstitutes. The Russian media has set in stone the narrative that Prigozhin, the commander of the Wagner Group which has done most of the fighting in the liberation of Donbass, launched an “armed rebellion” against Putin despite the fact that there is no evidence of an armed rebellion.

Paul Craig Roberts: The Russian „Coup“ that Wasn’t!

5.156 Aufrufe 25.06.2023It was all over in a few hours, but not before major media jumped on the story, calling the „coup“ the beginning of the end for Vladimir Putin. But Yevgeny Prigozhin, who leads Russia’s Wagner mercenary fighters in Ukraine, hasn’t seized Vladimir Putin’s office in the Kremlin. Instead, it’s now being reported that Prigozhin has, in effect, been exiled to Belarus, and his troops will sign contracts with Russian military leaders. And, oh yeah, his march on Moscow was quickly halted. As Paul Craig Roberts points out in his latest interview with On Target’s Larry Sparano, the entire episode is just the latest example of why you should take anything you first hear in the media with a large grain of salt:

Video: The Wagner Group Insurgency Directed against President Putin. Scott Ritter

By Scott Ritter and Judge Andrew P. Napolitano

Global Research, June 25, 2023 Judging Freedom and Global Research

Judge Napolitano interviews Scott Ritter on recent developments in Russia, following the insurgency of the Wagner Mercenary Group directed against President Putin.

According to press reports, the Wagner mercenary chief Yevgeny Prigozhin: 

“Ordered his troops to march towards Moscow to seek “revenge” after accusing Russia’s military leadership of killing his forces. On Saturday night, the country’s first armed coup in decades appeared to come to an abrupt end, with Prigozhin announcing that his troops would return to base to avoid “Russian bloodshed”.

Judge Napolitano & Scott Ritter: Civil War in Russia? Wagner Troops Rebellion

Prigozhins Wagner-PMC-Gambit: „Moskauer Maidan“ gescheitert? Scott Ritter

Verrat unter irgendeinem anderen Namen

Scott RitterGlobale Forschung, 25. Juni 2023

Scenes from the Evolution Ep. 42 with special guest Scott Ritter on Prigozhin’s Treason

Gazprom: Putins unheimliche Rohstoffmacht

Zuletzt aktualisiert am 30.06.2023 19:45 Uhr

Kein Unternehmen war so sehr Steigbügelhalter für den Aufstieg Wladimir Putins wie Gazprom. Die unendlichen Gasreserven des Energiemonopolisten verhalfen dem russischen Präsidenten in die Gunst westlicher Mächte und sind Mittel zur Steuerung von Feind und Freund im Inland.

Am 26.09.2022 entlädt sich in der Ostsee geopolitischer Zündstoff.

Mit einem Krach endet das bedeutendste Kapitel deutsch-russischer Wirtschaftsbeziehungen: Nord Stream.

Die Rohre von Gazprom wurden endgültig zum Zeichen einer russischen Propaganda- und Populismus-Pipeline.

Gazprom hält das Monopol über einen Großteil der russischen Erdgasexporte und gilt als größter Erdgasproduzent der Welt. Im ersten Halbjahr des Jahres 2022 konnte das Unternehmen einen Rekordgewinn von 41,75 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Zum Vergleich: 2004 lag der Gewinn von Gazprom noch bei 5,79 Milliarden US-Dollar.

Der Aufstieg von Wladimir Putin ist untrennbar mit dem von Gazprom verbunden – ein Unternehmen, vor dem man in Deutschland lange nicht zurückgeschreckt ist.

Wer verstehen möchte, wie Russland seine Interessen in Europa umsetzen konnte und auch heute noch unbeirrt seinen imperialistischen Angriffskrieg fortführen kann, der muss verstehen, wie das System Gazprom funktioniert.

Die historische Metamorphose des Gasriesen beginnt mit zwei Begriffen: Glasnost und Perestroika, Transparenz und Umgestaltung.

Die beiden Begriffe charakterisieren den Umbau der Sowjetwirtschaft unter Michail Gorbatschow Mitte der 1980er Jahre. Weg vom kommunistischen Kontrollzwang, hin zur Marktwirtschaft. Dabei wird auch das Öl- und Gas-Ministerium umgebaut. Aus dem sperrigen Beamtenapparat wird 1989 Gazprom. Der Konzernname ist ein Akronym des russischen Begriffs für die Gasindustrie.

1993 wird Gazprom zur Aktiengesellschaft, ein Teil bleibt in Staatshand und weitere Teile sichern sich staatstreue Sowjet-Minister sowie ranghohe Mitglieder der KPdSU. Schon mit der Gründung Gazproms melden sich potenzielle Geschäftspartner aus Deutschland – die später zu E.ON gehörende Ruhrgas und der Ruhrgas-Großkunde BASF.

Auf der Suche nach günstigeren Gaslieferanten kommt der neu gegründete russische Konzern gerade richtig. Die damalige BASF-Tochter Wintershall darf schließlich eigene Pipelines in Sibirien legen. 1990 und 1993 entstehen zwei mittlerweile unrühmlich bekannte Gemeinschaftsunternehmen, Gazprom Germania und Wingas.

Im Sommer 1998 wird Wladimir Putin unter Boris Jelzin Chef des FSB, des Inlandsgeheimdienstes. Wenig später kommt es in Russland zum Machtwechsel. Vor dem Rücktritt Jelzins soll Wladimir Putin mit dem mächtigen Oligarchen Boris Beresowski – dem sogenannten Paten des Kremls – ein brisantes Gespräch geführt haben. Beresowski erinnert sich in einem Interview 2007 wie folgt:

„Im Winter 1999 haben wir darüber gesprochen, ob er für die Präsidentschaft in Frage kommt. Aber er sagt: „Wissen Sie, was ich mir am meisten wünsche? Ich möchte Beresowski sein”. Dann macht Putin eine Pause und fordert: „Geben Sie mir Gazprom”.” Letztlich bekommt Putin 2000 die Macht in Moskau und auch über Gazprom.

Putin tauschte für eigene Zwecke schnell das Führungspersonal von Gazprom aus. Alexei Borissowitsch Miller, ein guter Bekannter des Präsidenten, wird 2001 neuer Vorstandschef.

Dessen Auftrag: Gazprom wieder mehrheitlich in Staatshand zurückführen.

Miller gelingt es, den Anteil der Russischen Föderation an Gazprom von einem Drittel auf knapp über die Hälfte zu erhöhen, hinzukommen Anteile von Privatleuten aus Putin-Kreisen. Loyalität lohnt sich.

In den frühen 2000er Jahren wuchs Gazprom rasant. Der Börsenwert steigt zeitweise auf über 300 Milliarden US-Dollar, ähnlich der Marktkapitalisierung von Toyota oder Coca-ColaGazprom gründet Banken, Energieversorger, Medienkonzerne, Logistik- und Versicherungsunternehmen und Baufirmen.

Überall auf der Welt, auch in Deutschland, errichtet man Niederlassungen.

Im Jahr 1999 berichten Springer-Journalisten, dass dem BND Informationen zu einem „Plan Schröder“ vorliegen soll – es gebe Privatkontakte des russischen Geheimdienstes zum neuen Bundeskanzler Gerhard Schröder, Hintergrund sei der Gas- und Ölmarkt.

Im Jahr 2000 treffen sich Putin und Schröder offiziell zum ersten Mal. Beide werden schnell zu Geburtshelfern einer neuen Wirtschaftsverbindung, denn zu dieser Zeit diskutieren GazpromWintershall und Ruhrgas bereits über eine neue Pipeline, die mehr Gas transportiert und nicht durch andere Länder führt.

Die Planungen für Nord Stream 1 beginnen.

Egal ob Bush in Washington, Chirac in Paris oder Blair in London – in seinen Anfangsjahren wurde Putin überall mit offenen Armen empfangen.

Den besten Draht hat Putin jedoch zum deutschen Bundeskanzler. Er ist sein Tor zum Westen und holt ihn im Herbst 2001 in den vollbesetzten Bundestag. Putin ist angekommen, er tourt durch Talkshows und erhält von seinem Kumpel Gerhard Rückendeckung. „Putin ist ein lupenreiner Demokrat“, die Aussage Gerhard Schröders in der Talkshow von Reinhold Beckmann aus 2004, ist heute ein geflügeltes Wort.

Im darauffolgenden Jahr endet Schröders Amtszeit – und sein offizieller Dienst für Putin beginnt. Ende 2005 wird bekannt, dass Schröder Aufsichtsratschef der Nord Stream AG wird, die mehrheitlich Gazprom gehört.

Im Frühjahr 2022 wurde Gerhard Schröder auch für den Aufsichtsrat von Gazprom vorgeschlagen. Im Mai 2022 lässt der Ex-Bundeskanzler verlauten, dass er doch nicht bei Gazprom anfangen wird.

Doch auch unter Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde der Putin- und Gazprom-freundliche Kurs fortgesetzt und sogar ausgebaut – und das, obwohl sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine zuspitzt.

Ende 2011 geht Nord Stream 1 an den Start. Und selbst als 2014 mit der Besetzung der Halbinsel Krim die nächste Eskalationsstufe erreicht wird, wird daran und am Bau der zweiten Ostsee-Pipeline festgehalten.

Rückenwind gibt es von der deutschen Wirtschaft. Der absehbare Kontrollverlust sorgte schon damals für Kritik, doch die Warnungen verhallen. An Bord von Nord Stream 2 sind neben der deutschen Wintershall Energiekonzerne aus Frankreich, Österreich, Großbritannien, Finnland und den Niederlanden.

Korruption und Selbstbedienung drücken die Performance von Gazprom

Eine Infografik mit dem Titel:Gazprom: Wertverfall

Marktkapitalisierung von Gazprom seit April 2010, in Milliarden US-Dollar

Der parallele Aufstieg Gazproms und Putins

Weniger stark wahrgenommen wurde in der Öffentlichkeit die Tatsache, dass die Börsenbewertung von Gazprom nach internationalen Bewertungsmaßstäben in den 2010er Jahren sank. Im Global Ranking des Forbes Magazine steht Gazprom 2009 noch auf Rang 13, voriges Jahr ist es nur noch auf Platz 49.

Seit Beginn der 2010er Jahren, noch vor den jüngsten Sanktionen, warnten Analysten: Konzern- und Börsenwert von Gazprom würden durch horrende, unrentable Ausgaben sinken. Milliarden fließen in die Sanierung von Kirchen, in unwirtschaftliche Provinzstadien, ins Sponsoring oder in Bildungszentren, wo über die Geschichte des russischen Reichs informiert wird. Alexej Nawalny – Putins bekanntester politischer Gefangener – recherchierte im vergangenen Jahr die Bedeutung Gazproms für Putin und betont, dass der Konzern für den Kremlchef zu einer nie versiegenden Geldquelle geworden sei, die er für seine Paläste oder Kriege nutze.

Und auch Gazproms Netzausbau wird kritisiert. Einige Pipeline-Projekte seien teurer als die zu erwartenden Erträge. Auch hier ist Korruption der Anfang des Übels. Im Jahr 2018 berichtet das Nawalny-Team, dass Gazprom für 60 Milliarden Euro die neue Sila Sibiri-Pipeline zwischen Russland und China plant. Sila Sibiri hat das billigere Pipeline-Projekt Altai Path ersetzt, das nur 10 Milliarden gekostet hätte. Für Bauunternehmer ist es aber attraktiver, etwas für 60 anstatt für 10 Milliarden zu bauen. Die milliardenschweren Bauaufträge gehen an Putin-treue Unternehmer.

Eine derartige Korruption zieht sich durch die russische Wirtschaft: Wenn die Mehrheit der Firmenanteile nicht ohnehin schon vom Staat gehalten wird, dann sind die entscheidenden Köpfe in den Vorständen Putin-nahestehende Personen.

Und die wirtschaften nicht zuerst nach Marktregeln, sondern nach Putins Wünschen. Und Wladimir Putin will zuallererst Dominanz. Vor diesem Hintergrund setzen Russlands Konzerne auf konkurrenzlose Preise und einen gnadenlosen Verdrängungswettbewerb, unter dem in der Vergangenheit vor allem Energieversorger aus Osteuropa litten.

Hohe Gaspreise füllen Putins Kriegskasse erneut

Eine Infografik mit dem Titel:Gazprom: weiter hohe Erlöse

Gazprom-Erlöse durch Erdgaslieferung an die Europäische Union, in Millionen Euro/Tag

Ganz Europa bekommt diese Dominanz im Februar 2022 mit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine zu spüren. Aus Protest gegen Sanktionen dreht Putin im Sommer Europa den Gashahn zu. Noch bevor die Pipelines zerbersten, explodieren die Preise. Bis zum Kriegsbeginn hat Gazprom rund 40 Prozent des deutschen Bedarfs an Erdgas abgedeckt – und das ist jetzt teuer. Auf einer Wirtschaftskonferenz im vergangenen Oktober zeichnet Gazprom-Chef Miller ein europäisches Schreckensszenario auf:

„Was wird im Winter 2023/2024? Denn jetzt gibt es eine völlig neue Logistik, andere Quellen für die Gasversorgung Europas und das bedeutet, dass der Druck viel größer wird als in den Vorjahren. Und dann wird klar werden, dass es eine Energiekrise gibt. Sie wird nicht von kurzer Dauer sein …“

Trotz Korruption und Misswirtschaft geht Gazprom aufgrund gestiegener Gaspreise als größter Profiteur aus dem ersten Kriegsjahr.

Im Sommer 2022 erzielte der Konzern einen Jahresrekordgewinn von knapp 41,75 Milliarden US-Dollar, obwohl der Export um fast die Hälfte eingebrochen war.

Der Unternehmensgewinn hätte laut Schätzungen beinahe die 80 Milliarden US-Dollar-Marke knacken können, hinzu kamen jedoch kriegsbedingte Sondersteuern in Russland. Im Sommer 2022 stellte das Unternehmen die Veröffentlichung seiner Zahlen ein.

Eine Infografik mit dem Titel:Gazprom: Die Gewinnmaschine

Umsatz, Gewinn und Dividendenausschüttung von Gazprom im Jahr 2021 und Prognose für 2022, in Euro

Die Flaute der 2010er Jahre ist also überwunden. Davon wiederum profitiert Putins Staatskasse, denn mindestens 20 Prozent wird von Gazprom gefüllt.

Hinzu kamen eine Sonderdividende von mindestens 10 Milliarden Dollar und die Abgaben der ebenfalls gestiegenen Gesamterlöse aus den Gas- und Ölexporten aller russischen Unternehmen. Der Handelsbilanzüberschuss Russlands betrug letztlich 290 Milliarden Dollar. Damit wiegen die 2 Prozent Minus beim Bruttoinlandsprodukt und der hohe Nettoabfluss von Privatkapital weniger schwer. Sanktionen haben nun mal ihren Preis – aber den zahlt nicht nur der Sanktionierte.

Unabhängig von den Kriegskosten hat Russland seine Ausgaben um fast ein Viertel gesteigert. Investiert wird auch, um westliche Importe zu reduzieren.

Und neue Partnerschaften sucht man vor allem in Afrika. Russische Unternehmen sollen dort neue Öl- und Gasfelder ausmachen und den Handel übernehmen. Was Europa versucht, kann Putin schon lange – so seine Devise. Gazprom selbst investiert nebenbei noch in etwas, das nach eigener Armee aussieht. Unter dem Kürzel PMC verbirgt sich im Firmenregister seit diesem Jahr die Private Military Company. Offiziell soll sie Personal und Infrastruktur schützen. Die Grenze zwischen Security und Söldnertruppe bestimmt Putin selbst.

Seit dem Herbst kursiert in den sozialen Netzwerken ein Video, das aussieht, als käme es aus der Marketingzentrale des Kremls. Ein Journalist des russischen Staatsfernsehens will den Europäern ihr selbstverschuldetes Unglück und ihren Heilsbringer aufzeigen. Zu sehen ist ein Gazprom-Areal im tief verschneiten Sibirien.

Dann folgt eine Hand, die einen Schalter auf null dreht. Ein Messgerät zeigt einen Druckabfall an. Dann Bilder von EU-Flaggen, Bilder aus Berlin, Paris, Brüssel, Dresden, von Solaranlagen, Windrädern, Staudämmen.

Schließlich ist eine Gasflamme zu sehen, die plötzlich erlischt. Dazwischen immer wieder Nebel, Eis, Schnee – und am Ende – die Spitze des Gazprom-Towers in St. Petersburg.

Dazu anmutige Klänge: Die Neuauflage eines Liedes aus Sowjetzeiten: А зима будет большая – es wird ein harter Winter, so der Text.

Der Herbst stirbt leise vor sich hin.

Und am Ende bleiben nur Dämmerung und Schnee.

Die Ansprache des russländischen Präsidenten am Morgen des 24.2.2022

Ich muss heute erneut auf die tragischen Ereignisse im Donbass und die Schlüsselfragen bei der Gewährleistung von Russlands eigener Sicherheit zurückkommen.

Ich beginne mit dem, worüber ich in meiner Ansprache vom 21. Februar gesprochen habe. Es geht um die Fragen, die uns besonders besorgen und beunruhigen, um die fundamentalen Bedrohungen für unser Land, die verantwortungslose Politiker aus dem Westen seit vielen Jahren auf grobe und ungenierte Weise vermehren. Ich spreche von der Erweiterung des NATO-Blocks nach Osten, vom Vorrücken seiner militärischen Infrastruktur an die Grenzen Russlands.

Es ist wohlbekannt, dass wir im Verlauf der vergangenen 30 Jahre beharrlich und mit Geduld versucht haben, die Führungen der NATO-Staaten von den Prinzipien der gleichen und unteilbaren Sicherheit in Europa zu überzeugen. Als Antwort auf unsere Vorschläge haben wir stets entweder zynischen Betrug und Lügen erhalten, oder es wurde Druck auf uns ausgeübt, man wollte uns erpressen. Und währenddessen wurde die Nordatlantik-Allianz ungeachtet unserer Bedenken immer weiter vergrößert. Die Militärmaschine ist in Bewegung, und, wie gesagt, sie steht schon an unseren Grenzen.

Warum geschieht das alles? Woher kommt diese dreiste Art, so zu sprechen, als sei man auserwählt, unfehlbar, und als sei einem alles erlaubt? Woher diese verächtliche, abschätzige Haltung gegenüber unseren Interessen und vollkommen legitimen Forderungen?

Die Antwort ist klar, sie liegt offen zutage. Die Sowjetunion war Ende der 1980er Jahre geschwächt, und schließlich zerfiel sie. Der damalige Ablauf der Ereignisse ist für uns heute eine wertvolle Lektion, er hat gezeigt, dass die Lähmung von Macht und Willen der erste Schritt zum totalen Niedergang und Untergang ist. Kaum hatten wir für kurze Zeit das Selbstvertrauen verloren – schon war das globale Gleichgewicht der Kräfte gestört.

Dies hat dazu geführt, dass die geschlossenen Verträge und Abkommen heute faktisch außer Kraft sind. Überzeugungsversuche und Bitten helfen nicht weiter. Alles, was dem Hegemon, den Mächtigen, nicht passt, wird für archaisch, ausgedient, nutzlos erklärt. Und umgekehrt: Alles, was ihnen nützlich erscheint, wird als Wahrheit letzter Instanz präsentiert, es wird um jeden Preis durchgedrückt, dreist und mit allen Mitteln. Wer anderer Meinung ist, wird mit Gewalt in die Knie gezwungen.

Das betrifft nicht nur Russland und versetzt nicht nur uns in Sorge. Es geht um das gesamte System der internationalen Beziehungen und betrifft manchmal selbst die Verbündeten der USA. Nach dem Zerfall der Sowjetunion begann faktisch eine Neuverteilung der Welt, bei der die geltenden Regeln des Völkerrechts – die wichtigsten, grundlegenden wurden nach dem Zweiten Weltkrieg formuliert und hielten im Wesentlichen dessen Ergebnisse fest – den selbsterklärten Siegern des „Kalten Kriegs“ auf einmal im Weg standen.

Natürlich musste man im praktischen Leben, in den internationalen Beziehungen, bei den Bestimmungen, die diese regeln, die veränderte Lage und das neue Gleichgewicht der Kräfte berücksichtigen. Doch dies hätte professionell geschehen müssen, schrittweise, mit Geduld, unter Berücksichtigung und Achtung der Interessen aller Länder und im Bewusstsein für die Verantwortung, die man trägt. Aber nein. Stattdessen Euphorie über die absolute Übermacht, eine Art von neuem Absolutismus, dazu kamen noch der niedrige Bildungsstand und die Überheblichkeit derjenigen, die all diese nur für sie vorteilhaften Entscheidungen planten, trafen und durchdrückten.

Beispiele

Nach Beispielen muss man nicht lange suchen. Erst die ohne Zustimmung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen durchgeführte blutige Militäroperation gegen Belgrad, bei der mitten in Europa Kampfflugzeuge und Raketen eingesetzt wurden. Wochenlange, pausenlose Bombardements von friedlichen Städten, von lebensnotwendiger Infrastruktur. Man muss an diese Fakten erinnern, denn einige unserer westlichen Kollegen denken an diese Ereignisse nur ungern zurück, und wenn wir sie erwähnen, dann ist nicht mehr von Völkerrecht die Rede, sondern von Umständen, die so ausgelegt werden, wie man es gerade braucht.

Dann kam der Irak an die Reihe, dann Libyen, dann Syrien. Der illegitime Einsatz militärischer Gewalt gegen Libyen, die Verdrehung sämtlicher Beschlüsse des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen zu dem Thema hat zur völligen Zerstörung dieses Staates geführt, und die Folge war, dass dort ein riesiger Herd des internationalen Terrorismus entstand, dass das Land in eine humanitäre Katastrophe gestürzt wurde, in den Abgrund eines jahrelangen, bis heute nicht beendeten Bürgerkriegs. Die Tragödie, der Hunderttausende, Millionen Menschen nicht nur in Libyen, sondern in der gesamten Region ausgeliefert wurden, hat eine Massenmigration aus Nordafrika und dem Nahen Osten nach Europa ausgelöst.

Ein ähnliches Schicksal erwartete auch Syrien. Die Militäraktionen der westlichen Koalition auf dem Territorium Syriens ohne Zustimmung der syrischen Regierung und ohne Mandat des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen waren nichts anderes als eine Aggression, eine Intervention.

Besondere Bedeutung kommt in dieser Reihe natürlich dem Einmarsch in den Irak zu, für den es ebenfalls keinerlei rechtliche Grundlage gab. Als Vorwand wurden „zuverlässige Informationen“ über Massenvernichtungswaffen im Irak genommen, die den USA angeblich vorlagen. Zum Beweis hielt der amerikanische Außenminister vor den Augen der gesamten Weltöffentlichkeit ein Reagenzglas mit weißem Pulver hoch und behauptete, dies sei die Chemiewaffe, die im Irak entwickelt werde. Später zeigte sich: Das war alles konstruiert, eine Finte, es gab keine Chemiewaffen im Irak. Man kann es kaum glauben, aber Fakt bleibt Fakt. Es wurde dreist gelogen – auf höchster Staatsebene, auf der hohen Bühne der Vereinten Nationen. Und das Ergebnis: unzählige Opfer, Zerstörung, eine unglaubliche Terrorwelle.

Generell entsteht der Eindruck, dass praktisch überall, in den vielen Regionen der Welt, wo die USA versuchen, ihre Ordnung zu etablieren, klaffende, nicht verheilende Wunden übrigbleiben, Schwären des internationalen Terrorismus und Extremismus. Was ich genannt habe, waren nur die himmelschreiendsten, aber bei weitem nicht die einzigen Beispiele für die Missachtung des Völkerrechts.

Putins 5 Gründe für das Eingreifen in der Uraine

Wer die deutschen und internationalen Zeitungen aufschlägt, begibt sich auf eine Geisterbahnfahrt. Überall sieht er Gespenster. Der blutrünstige Doktor Frankenstein, dessen Hand aus dem Dunkeln in Richtung der eigenen Gurgel greift, sieht aus wie Wladimir Putin: „So will uns Putin in den Krieg treiben“, schlagzeilt BILD. Frankreichs EL Pais: „Putin, der große Destabilisator.“ Der Observer in London: „Der Verantwortliche heißt Putin.”

Nun muss ein Journalist nicht für alles Verständnis haben. Aber er sollte alles verstehen – oder sich zumindest darum bemühen. Der Perspektivwechsel lohnt, auch und vielleicht gerade vor der martialischen Drohkulisse der russischen Armee. Hier die fünf Motive, die dazu geführt haben dürften, dass der russische Präsident uns auf diese archaische Art mitteilt: Bis hierher und nicht weiter.

1. Die NATO hat sich seit der Implosion der Sowjetunion um weitere 14 Mitglieder auf nun 30 Staaten mit insgesamt 945 Millionen Einwohnern und 25 Millionen Quadratkilometern Fläche ausgedehnt. Die Osterweiterung war die größte Landnahme des westlichen Verteidigungsbündnisses – ohne, dass ein einziger Schuss gefallen wäre. Moskau grummelte, aber wehrte sich nicht.

2. „Die Sicherheit aller Staaten in der euro-atlantischen Gemeinschaft ist unteilbar“, heißt es in der Erklärung des Nato-Russland-Rates von 2002, dem Russland angehört. Doch dieser Terminus von der Unteilbarkeit der europäischen Sicherheit wurde nie gelebt. Es gab für keinen der NATO-Erweiterungs-Schritte eine Konsultation mit der russischen Seite. Der Westen handelte bewusst einseitig. Es galt die Maxime: Alles ist teilbar. Auch die Sicherheit

3. Die nächsten logischen Schritte der Osterweiterung wären die NATO-Mitgliedschaften von Finnland und Schweden; selbst die der Ukraine ist formell nicht ausgeschlossen. Damit würden die letzten Pufferstaaten im Vorhof der Russischen Föderation in die Hände des westlichen Militärbündnisses fallen. Die NATO könnte ihre atomaren Kurzstreckenraketen 500 Kilometer von Moskau entfernt in Stellung bringen.

In einer vergleichbaren Situation, der von den Russen geplanten Atomwaffen-Stationierung auf Kuba, hat US-Präsident John F. Kennedy im Oktober 1962 mit der Kubakrise, die im Ultimatum per Seeblockade gipfelte, einen dritten Weltkrieg riskiert:
 Ich rufe Generalsekretär Chruschtschow auf, die verstohlene und rücksichtslose Gefährdung des Weltfriedens zu beenden. Er hat jetzt die Chance, die Welt vom Abgrund der Zerstörung zurückzuholen. “
Die Russen drehten bei.

4. Die Ukraine ist nicht nur Opfer in diesem Konflikt, sondern auch Täter. Der in den Minsker Abkommen I. und II. verabredete Souveränitätsverzicht der Ukraine für die Gebiete Donezk und Luhansk wurde bis heute nicht umgesetzt. Am 12. Februar 2015 unterzeichneten DeutschlandFrankreichRussland und die Ukraine einen „Maßnahmenkomplex zur Umsetzung der Minsker Vereinbarungen“, womit sich die Ukraine verpflichtet, den beiden Regionen – beide mit einem hohen Anteil russischer Wohnbevölkerung ausgestattet – einen „Special Status“ einzuräumen. Doch der Präsident der Ukrainer fürchtet (wahrscheinlich zu Recht), dass ihn das parlamentarische Prozedere für die Umsetzung dieser Zusagen den Job kosten könnte. Also verweigert er die Umsetzung der gemachten Zusagen. Putin ging in Minsk leer aus.

5. Die politische Elite in Washington glaubte, nach 1990 auf Russland keine Rücksicht mehr nehmen zu müssen. Der ehemalige Planungs-Chef das Pentagon Francis Fukuyama schrieb sein berühmtes Buch „Vom Ende der Geschichte“, für viele die Bibel einer neuen Zeit. Nach 1990 waren Republikaner und Demokraten im Triumphalismus vereint. Barack Obama rief das „pazifische Zeitalter“ aus und stufte Russland zur „Regionalmacht“ zurück.

Fazit: Auf Seiten des Westens ist jetzt nicht die Fortsetzung der Empörungspolitik gefragt, sondern strategische Klugheit. Die russische Drohkulisse und die völkerrechtswidrige Besetzung der Krim müssen nicht den Auftakt eines europäischen Krieges bedeuten.

Der Beginn einer diplomatischen Offensive wäre allen bekömmlicher. Putin braucht, was die EU auch benötigt: einen neuen Vertrag über die Sicherheit im Europa des 21. Jahrhunderts. Vieles kann man abwählen, ablehnen oder sogar bekämpfen. Seine Geographie nicht

Wichtige Reden

Rede im Bundestag im September 2001

Wortprotokoll der Rede Wladimir Putins im Deutschen Bundestag am 25.09.2001

Analysen und Kommentare

Russlands Präsident hat schon 2001 im Deutschen Bundestag angeboten, die Potenziale Russlands mit denen der anderen Teile Europas zu vereinigen

17. Februar 2016 um 9:09Ein Artikel von: Albrecht Müller

Diese Botschaft löste entsetzte, jedenfalls nachdenklich uninteressierte Gesichter auf der Regierungsbank aus. Hier sehen Sie den damaligen Außenminister Joschka Fischer und den Innenminister Schily. Sie sehen aus, als sei ihnen nicht ein zukunftsfähiges Angebot sondern eine Schreckensnachricht übermittelt worden.

Fischer und Schily wissen offenbar mehr. Vermutlich weiß Joschka Fischer von seiner Freundin Albright, der damaligen US Außenministerin und Freundin der heutigen Bewerberin um die Präsidentschaft, Hillary Clinton, dass die USA keine Stärkung Europas und deshalb auch keine enge Zusammenarbeit mit Russland wollen. Man muss sich die Rede Putins anhören oder nachlesen, und die entsetzten Gesichter sehen, um die heutige Politik und damit die Ursachen der Kriegsgefahr verstehen zu können. Albrecht Müller.

Die erste Rede eines russischen Präsidenten im Deutschen Bundestag

Von Rolf Wiggershaus · 25.09.2011

(…)

Nach den Anschlägen vom 11. September nutzte Putin die Gunst der Stunde für eine außenpolitische Offensive: für Russlands Rückkehr auf die weltpolitische Bühne als international respektierter und auf Augenhöhe mit den USA handelnder Akteur.
Die Unterstützung des Kanzlers der rot-grünen Koalitionsregierung, Gerhard Schröder, war ihm dabei sicher. Noch vor Putins Rede im Deutschen Bundestag präsentierten die beiden sich gemeinsam auf einer Pressekonferenz und riefen zum energischen Kampf gegen den Terrorismus auf. Schröder betonte bei dieser Gelegenheit:

„Ich habe gemeint, dass es in bezug auf Tschetschenien zu einer differenzierteren Bewertung der Völkergemeinschaft kommen muss und sicher auch kommen wird.“

Statt Kritik erlebte der russische Präsident am Ende seiner deutschen Ansprache stehenden Applaus.
Der vom Kanzleramt selbstbewusst verkündete „Schulterschluss Russlands, der EU und der USA“ gedieh nicht weit. Spätestens der von Bush junior im Oktober 2003 begonnene zweite Irak-Krieg machte deutlich, dass es höchst unterschiedliche Vorstellungen über die Ziele des Antiterrorkampfes gab. Die von Putin und Schröder beschworene besondere deutsch-russische Beziehung aber erwies sich als beständig. Die Stagnation der EU begünstigt die von Moskau betriebene Politik eines „selektiven Bilateralismus“ mit den großen EU-Staaten, allen voran Deutschland. Dieser „strategische Partner“ hat sich offenbar damit abgefunden, dass Moskau sich Lektionen in Sachen Demokratie verbittet, aber gleichzeitig als Gaslieferant und „Energiesupermacht“ Anerkennung verlangt.

Wladimir Putin: Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2007

43. Münchner Konferenz für Sicherheitspolitik vom 9. bis 11. Februar 2007, Bayerischer Hof

Motto: „Frieden durch Dialog: Globale Krisen – Globale Verantwortung“

Rede des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf der 43. Münchner „Sicherheitskonferenz“ in deutscher Übersetzung

„Ich denke, dass für die heutige Welt das monopolare Modell nicht nur ungeeignet, sondern überhaupt unmöglich ist“

Putins Rede auf der Münchner Konferenz zu Fragen der Sicherheitspolitik überraschte die Teilnehmer und die Öffentlichkeit. Von „Eröffnung des Kalten Krieges“ bis zu „Putin droht den USA“ war in der Presse hier zu Lande die Rede. Damit sich die Leser ein eigenes Bild über Putins Rede machen können, hat die russische Internetzeitung russland.ru die Rede ins Deutsche übersetzt. Wir dokumentieren die Rede nachfolgend im vollen Wortlaut. Die Zwischenüberschriften in Putins Rede haben wir der besseren Lesbarkeit Willen selbst eingefügt.

Wladimir Putin: Rede auf der Münchner Konferenz zu Fragen der Sicherheitspolitik*

Vielen Dank, verehrte Frau Kanzlerin, für die Einladung, an den Tisch der Konferenz, die Politiker, Militärs, Unternehmer und Experten aus mehr als 40 Ländern der Welt zusammengeführt hat.

Das Format der Konferenz gibt mir die Möglichkeit, der „übertriebenen Höflichkeit“ zu entgehen, mit geschliffenen, angenehmen, aber leeren diplomatischen Worthülsen sprechen zu müssen. Das Format der Konferenz erlaubt, das zu sagen, was ich wirklich über die Probleme der internationalen Sicherheit denke. Und wenn meine Überlegungen meinen Kollegen allzu polemisch oder ungenau erscheinen, ärgern Sie sich bitte nicht über mich – es ist doch nur eine Konferenz. Und ich hoffe, dass nicht schon nach zwei, drei Minuten meines Auftrittes Herr Teltschik das „Rotlicht“ aufleuchten lässt.

Also. Es ist bekannt, dass die Problematik der internationalen Sicherheit bedeutend breiter ist als die Fragen der militärpolitischen Stabilität. Dazu gehören die Beständigkeit der Weltwirtschaft, die Überwindung der Armut, die ökonomische Sicherheit und die Entwicklung des Dialogs zwischen den Zivilisationen.

Dieser allumfassende, unteilbare Charakter der Sicherheit drückt sich auch in seinem Grundprinzip aus: „Die Sicherheit des Einzelnen – das ist die Sicherheit aller“. Wie sagte doch Franklin Roosevelt schon in den ersten Tagen des II. Weltkrieges: „Wo auch immer der Frieden gebrochen wird, ist er gleichzeitig überall bedroht und in Gefahr.“

Diese Worte haben bis heute ihre Aktualität behalten. Davon zeugt übrigens auch das Thema unserer Konferenz, so wie es hier geschrieben steht: „Globale Krisen – globale Verantwortung“.

Die monopolare Welt

Vor gerade einmal zwei Jahrzehnten war die Welt ideologische und wirtschaftlich zerbrochen, aber ihre Sicherheit garantierten die gewaltigen strategischen Potenziale zweier Supermächte.

Der globale Gegensatz schob äußerst drängende ökonomische und soziale Fragen an den Rand der internationalen Beziehungen und Tagesordnungen. Und wie jeder Krieg hinterließ uns auch der „kalte Krieg“ – bildlich ausgedrückt – „Blindgänger“. Ich meine damit ideologische Stereotypen, doppelte Standards, irgendwelche Schablonen des Blockdenkens.

Die nach dem „Kalten Krieg“ vorgeschlagene monopolare Welt kam auch nicht zu Stande.

Die Menschheitsgeschichte kennt natürlich auch Perioden monopolaren Zustandes und des Strebens nach Weltherrschaft. Alles war schon mal da in der Geschichte der Menschheit. Aber was ist eigentlich eine monopolare Welt? Wie man diesen Terminus auch schmückt, am Ende bedeutet er praktisch nur eines: es gibt ein Zentrum der Macht, ein Zentrum der Stärke, ein Entscheidungs-Zentrum.

Es ist die Welt eines einzigen Hausherren, eines Souveräns. Und das ist am Ende nicht nur tödlich für alle, die sich innerhalb dieses Systems befinden, sondern auch für den Souverän selbst, weil es ihn von innen zerstört.

Das hat natürlich nichts mit Demokratie gemein. Weil Demokratie bekanntermaßen die Herrschaft der Mehrheit bedeutet, unter Berücksichtigung der Interessen und Meinungen der Minderheit.

Nebenbei gesagt, lehrt man uns – Russland – ständig Demokratie. Nur die, die uns lehren, haben selbst, aus irgendeinem Grund, keine rechte Lust zu lernen.

Ich denke, dass für die heutige Welt das monopolare Modell nicht nur ungeeignet, sondern überhaupt unmöglich ist. Nur nicht, weil für eine Einzel-Führerschaft in der heutigen, gerade in der heutigen, Welt weder die militärpolitischen, noch die ökonomischen Ressourcen ausreichen. Aber was noch wichtiger ist – das Modell selbst erweist sich als nicht praktikabel, weil es selbst keine Basis hat und nicht die sittlich-moralische Basis der modernen Zivilisation sein kann.

"Heute beobachten wir eine fast unbegrenzte, hypertrophierte Anwendung von Gewalt in den internationalen Beziehungen"

Damit ist alles, was heute in der Welt geschieht – und wir fangen jetzt erst an, darüber zu diskutieren – eine Folge der Versuche, solch eine Konzeption der monopolaren Welt, in der Welt einzuführen.

Und mit welchem Ergebnis?

Einseitige, oft nicht legitime Handlungen haben nicht ein einziges Problem gelöst. Vielmehr waren sie Ausgangspunkt neuer menschlicher Tragödien und Spannungsherde. Urteilen Sie selbst: Die Kriege, die lokalen und regionalen Konflikte sind nicht weniger geworden. Herr Teltschik hat ganz leicht daran erinnert. Und es sterben nicht weniger Menschen bei diesen Konflikten als früher, sondern sogar mehr. Bedeutend mehr!

Heute beobachten wir eine fast unbegrenzte, hypertrophierte Anwendung von Gewalt –militärischer Gewalt – in den internationalen Beziehungen, einer Gewalt, welche eine Sturmflut aufeinander folgender Konflikte in der Welt auslöst. Im Ergebnis reichen dann nicht die Kräfte für eine komplexe Lösung wenigstens eines dieser Konflikte. Eine politische Lösung ist ebenfalls unmöglich.

Wir sehen eine immer stärkere Nichtbeachtung grundlegender Prinzipien des Völkerrechts. Mehr noch – bestimmte Normen, ja eigentlich fast das gesamte Rechtssystem eines Staates, vor allem, natürlich, der Vereinigten Staaten, hat seine Grenzen in allen Sphären überschritten: sowohl in der Wirtschaft, der Politik und im humanitären Bereich wird es anderen Staaten übergestülpt. Nun, wem gefällt das schon?

In den internationalen Angelegenheiten begegnet man immer öfter dem Bestreben, die eine oder andere Frage ausgehend von einer so genannten politischen Zielgerichtetheit auf der Grundlage der gegenwärtigen politischen Konjunktur zu lösen.

Das ist allerdings äußerst gefährlich. Es führt dazu, dass sich schon niemand mehr in Sicherheit fühlt. Ich will das unterstreichen – niemand fühlt sich mehr sicher! Weil sich niemand mehr hinter dem Völkerrecht wie hinter einer schützenden Wand verstecken kann. Eine solche Politik erweist sich als Katalysator für das Wettrüsten.

Die Dominanz des Faktors Gewalt löst in einer Reihe von Ländern den Drang nach dem Besitz von Massenvernichtungswaffen aus. Mehr noch – es erschienen ganz neue Bedrohungen, die zwar früher schon bekannt waren, aber heute globalen Charakter annehmen, wie der Terrorismus.

Ich bin überzeugt, dass wir heute an einem Grenzpunkt angelangt sind, an dem wir ernsthaft über die gesamte Architektur der globalen Sicherheit nachdenken sollten.

Man muss ablassen von der Suche nach einer ausgeklügelten Balance der Interessen aller international handelnden Subjekte. Umso mehr, als sich gerade jetzt die „internationale Landschaft“ so spürbar und so schnell ändert, und zwar auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung einer ganzen Reihe von Staaten und Regionen.

Die Frau Bundeskanzlerin hat schon darauf aufmerksam gemacht. So ist das summierte BIP Indiens und Chinas hinsichtlich der paritätischen Kaufkraft schon größer als das der USA. Das gleichermaßen berechnete BIP der BRIC-Staaten – Brasilien, Russland, Indien und China- übersteigt das BIP der EU. Nach Auffassung der Experten wird diese Entwicklung weiter anhalten.

Mit einem Klick auf folgende Links erfährst du mehr.

BRICS countries – Statistics & Facts

The BRICS countries, namely Brazil, Russia, India, China, and South Africa, are considered the five foremost emerging economies in the world. The term BRIC was coined in 2001 by Goldman Sachs‚ head of global economics research, Jim O’Neill, and, at China’s invitation, was expanded to include South Africa in 2010 (however O’Neill disagrees with its addition). Although the acronym BRIC was created as an informal term for these emerging economies, BRICS countries have held annual summits since 2009, with comparable areas of interest and ambitions to the more-established Group of Seven (G7) – of which Russia was also a member from 1997, until it was expelled following the annexation of Crimea in 2014. According to the World Bank, G7 and the original BRIC countries make up 11 of the 12 largest economies in the world (with the other being South Korea).

Die Welt sortiert sich neu Michael Lüders 27.04.2023

BRICS & The End of US Dominance

Es besteht kein Zweifel, dass das wirtschaftliche Potenzial neuer Wachstumszentren auf der Welt unausweichlich auch in politischen Einfluss umschlägt und die Multipolarität stärkt.

In diesem Zusammenhang wächst auch ernsthaft die Rolle der mehrseitigen Diplomatie. Offenheit, Transparenz und Berechenbarkeit sind in der Politik ohne Alternative, aber die Anwendung von Gewalt sollte eine ebenso ausgeschlossen sein, wie die Anwendung der Todesstrafe in den Rechtssystemen einiger Staaten.

Wir beobachten aber heute, im Gegenteil, dass Länder, in denen die Anwendung der Todesstrafe sogar gegenüber Mördern und anderen gefährlichen Verbrechern verboten ist, ungeachtet dessen man militärischen Aktionen teilnehmen, die schwerlich als legitim zu bezeichnen sind. Doch bei diesen Konflikten sterben Menschen – Hunderte, Tausende friedlicher Menschen!

Gleichzeitig stellt sich die Frage: Sollen wir etwa untätig und willenlos auf die verschiedenen inneren Konflikte in einzelnen Ländern starren, auf das Treiben autoritärer Regimes, von Tyrannen, auf die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen? Genau hierin lag das Wesen der Frage, die der Bundeskanzlerin von unserem verehrten Kollegen Lieberman gestellt wurde. Das ist tatsächlich eine ernsthafte Frage! Können wir unbeteiligt zusehen, was passiert? Natürlich nicht.

„Man darf die UNO nicht durch die NATO oder die EU ersetzen“

Aber haben wir die Mittel, um diesen Bedrohungen zu widerstehen? Natürlich haben wir sie. Wir brauchen uns nur an die jüngste Geschichte zu erinnern. Haben wir nicht in unserem Land einen friedlichen Übergang zur Demokratie vollzogen? Es hat doch eine friedliche Transformation des sowjetischen Regimes stattgefunden. Und was für eines Regimes! Mit welcher Menge an Waffen, darunter Kernwaffen! Warum muss man jetzt, bei jedem beliebigen Vorkommnis, bombardieren und schießen. Es kann doch nicht sein, dass es uns bei einem Verzicht auf die Androhung gegenseitiger Vernichtung an politischer Kultur und Achtung vor den Werten der Demokratie und des Rechts fehlt.

Ich bin überzeugt, dass der einzige Mechanismus zur Entscheidung über die Anwendung von Gewalt als letzte Maßnahme nur die UN-Charta sein darf. In diesem Zusammenhang habe ich auch nicht verstanden, was kürzlich der Verteidigungsminister Italiens gesagt hat, oder er hat sich unklar ausgedrückt. Ich habe jedenfalls verstanden, dass die Anwendung von Gewalt nur dann als legitim gilt, wenn sie auf der Grundlage einer Entscheidung der NATO, der EU oder der UNO basiert. Wenn er das tatsächlich meint, dann haben wir verschiedene Standpunkte. Oder ich habe mich verhört. Legitim ist eine Anwendung von Gewalt nur dann zu nennen, wenn ihr ein UNO-Beschluss zu Grunde liegt. Und man darf die UNO nicht durch die NATO oder die EU ersetzen. Und wenn die UNO wirklich die Kräfte der internationalen Gemeinschaft vereint, die tatsächlich auf Ereignisse in einzelnen Staaten reagieren können, wenn wir uns von der Nichtbeachtung internationalen Rechts abkehren, dann kann sich die Situation ändern. Im anderen Fall gerät die Situation nur in eine Sackgasse und es häufen sich die schweren Fehler. Zugleich muss man erreichen, dass das Völkerrecht universalen Charakter erhält, sowohl im Verständnis, wie auch in der Anwendung der Normen.

Man darf nicht vergessen, dass demokratische Handlungen in der Politik unbedingt eine Diskussion und sorgfältige Ausarbeitung von Entscheidungen voraussetzt.

"Abrüstungs-Stau"

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die potenzielle Gefahr einer Destabilisierung der internationalen Beziehungen ist auch mit einem Abrüstungs-Stau verbunden.

Russland tritt für die Wiederaufnahme des Dialogs zu dieser wichtigen Frage ein.

Es ist wichtig, die Beständigkeit der völkerrechtlichen Basis für die Abrüstung zu sichern, gleichzeitig auch die Fortführung des Prozesses der Reduzierung der Kernwaffen zu gewährleisten.

Wir haben mit den USA den Abbau unserer strategischen Kernwaffenpotenziale auf 1700 – 2200 Sprengköpfe bis Ende 2012 vereinbart. Russland beabsichtigt, die übernommenen Verpflichtungen streng einzuhalten. Wir hoffen, dass unsere Partner genauso transparent handeln und nicht für einen „schwarzen Tag“ ein paar Hundert Sprechköpfe zurücklegen. Und wenn uns heute der neue Verteidigungsminister der USA erklärt, dass die Vereinigten Staaten diese überzähligen Sprengköpfe nicht in Lagern, nicht unter dem Kopfkissen und auch nicht unter der Bettdecke verstecken, dann schlage ich vor, dass sich alle erheben und stehend applaudieren. Das wäre eine sehr wichtige Erklärung.

Russland hält sich weiterhin streng, wie auch bisher, an die Verträge über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen und die vielseitigen Kontrollregimes für Raketentechnologie. Die in diesen Dokumenten festgehaltenen Prinzipien tragen universellen Charakter.

In diesem Zusammenhang möchte ich daran erinnern, dass die UdSSR und die USA in den 80er Jahren einen Vertrag über die Liquidierung einer ganzen Klasse von Raketen geringer und mittlerer Reichweite unterzeichnet haben, aber einen universellen Charakter hat dieses Dokument nicht erhalten.

Heute haben schon eine Reihe Staaten solche Raketen: Die Koreanische Volksdemokratische Republik, die Republik Korea, Indien, Iran, Pakistan, Israel. Viele andere Staaten der Welt projektieren solche Systeme und planen, sie mit Waffen zu bestücken. Nur die USA und Russland haben sich verpflichtet, keine solchen Waffensysteme zu bauen.

Klar, dass wir unter solchen Bedingungen über die Gewährleistung unserer eigenen Sicherheit nachdenken müssen.

Die Militarisierung des Weltalls

In Verbindung damit dürfen wir keine neuen destabilisierenden hochtechnologischen Waffenarten zulassen. Nicht zu reden von Maßnahmen zur Erschließung neuer Sphären der Konfrontation, vor allem im Kosmos. „Star Wars“ sind bekanntermaßen längst keine Utopie mehr, sondern Realität. Schon Mitte der 80er Jahre (des vergangenen Jahrhunderts) haben unsere amerikanischen Partner in der Praxis einen ihrer eigenen Satelliten gekapert.

Die Militarisierung des Weltraums kann, nach Auffassung Russlands, für die Weltgemeinschaft unvorhersehbare Folgen provozieren – nicht weniger als zu Beginn der Kernwaffenära. Wir haben nicht nur einmal Initiativen vorgelegt, die auf den Verzicht auf Waffen im Kosmos gerichtet waren.

Ich möchte Sie heute darüber informieren, dass wir einen Vertragsentwurf über die Vermeidung einer Stationierung von Waffen im Weltraum vorbereitet haben. In der nächsten Zeit wird er allen Partnern als offizieller Vorschlag zugeleitet werden. Lassen sie uns gemeinsam daran arbeiten.

Uns beunruhigen auch Pläne zum Aufbau von Elementen eines Raketenabwehrsystems in Europa. Wer braucht eine neue Runde eines in diesem Falle unausweichlichen Wettrüstens? Ich zweifele zutiefst daran, dass es die Europäer selbst sind.

Über Raketenwaffen, die, um tatsächlich Europa gefährden können, eine Reichweite von 5000 – 8000 Kilometern haben müssen, verfügt keines dieser so genannten „Problemländer“. Und in der absehbaren Zukunft werden sie auch keine haben, nicht einmal die Aussicht darauf. Selbst der hypothetische Start einer nordkoreanischen Rakete in Richtung des Territoriums der USA über Westeuropa hinweg, widerspricht allen Gesetzen der Ballistik. Wie man bei uns in Russland sagt, ist das so, „wie wenn man sich mit der linken Hand am rechten Ohr kratzt“.

Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag)

Vertrag über die konventionellen Streitkräfte in Europa

Weil ich gerade hier in Deutschland bin, kann ich nicht umhin, an den kritischen Zustand des Vertrages über die konventionellen Streitkräfte in Europa zu erinnern.

Der adaptierte Vertrag über die konventionellen Streitkräfte in Europa wurde 1999 unterzeichnet. Er berücksichtigte die neue geopolitische Realität – die Liquidierung des Warschauer Paktes. Seither sind sieben Jahre vergangen, und nur vier Staaten haben dieses Dokument ratifiziert, darunter die Russische Föderation.

Die NATO-Länder haben offen erklärt, dass sie den Vertrag, einschließlich der Festlegungen über Begrenzungen bei der Stationierung einer bestimmten Stärke von Streitkräften an den Flanken, so lange nicht ratifizieren werden, bis Russland seine Basen in Moldawien und Georgien schließt. Aus Georgien ziehen unsere Truppen ab, sogar im Eiltempo. Diese Probleme haben wir mit unseren georgischen Kollegen geklärt, wie allen bekannt sein dürfte. In Moldawien verbleibt eine Gruppierung von anderthalb Tausend Wehrpflichtigen, die friedensfördernde Aufgaben erfüllen und Munitionslager bewachen, die noch aus Zeiten der UdSSR übrig geblieben sind. Wir sind ständig im Gespräch mit Herrn Solana über diese Probleme und er kennt unsere Position. Wir sind bereit, auch weiterhin in dieser Richtung zu arbeiten.

Die NATO-Erweiterung ist ein "provozierender Faktor"

Mit einem Klick auf den folgenden Link gelangst du in das Internetportal von Gabor Steingart. Dort findest du Grafiken zur schrittweisen Osterweiterung der NATO

Die NATO Osterweiterung: Ursache des Konflikts

Aber was geschieht zur selben Zeit? In Bulgarien und Rumänien entstehen so genannte leichte amerikanische Vorposten-Basen mit jeweils 5000 Mann. Das bedeutet, dass die NATO ihre Stoßkräfte immer dichter an unsere Staatsgrenzen heranbringt, und wir, die wir uns streng an den Vertrag halten, in keiner Weise auf dieses Vorgehen reagieren.

Ich denke, es ist offensichtlich, dass der Prozess der NATO-Erweiterung keinerlei Bezug zur Modernisierung der Allianz selbst oder zur Gewährleistung der Sicherheit in Europa hat. Im Gegenteil, das ist ein provozierender Faktor, der das Niveau des gegenseitigen Vertrauens senkt. Nun haben wir das Recht zu fragen: Gegen wen richtet sich diese Erweiterung? Und was ist aus jenen Versicherungen geworden, die uns die westlichen Partner nach dem Zerfall des Warschauer Vertrages gegeben haben? Wo sind jetzt diese Erklärungen? An sie erinnert man sich nicht einmal mehr. Doch ich erlaube mir, vor diesem Auditorium daran zu erinnern, was gesagt wurde. Ich möchte ein Zitat von einem Auftritt des Generalsekretärs der NATO, Herrn Wörner, am 17. Mai 1990 in Brüssel bringen. Damals sagte er: „Schon der Fakt, dass wir bereit sind, die NATO-Streitkräfte nicht hinter den Grenzen der BRD zu stationieren, gibt der Sowjetunion feste Sicherheitsgarantien.“ Wo sind diese Garantien?

Die Steine und Betonblocks der Berliner Mauer sind schon längst zu Souvenirs geworden. Aber man darf nicht vergessen, dass ihr Fall auch möglich wurde dank der historischen Wahl, auch unseres Volkes, des Volkes Russlands, eine Wahl zugunsten der Demokratie und Freiheit, der Offenheit und echten Partnerschaft mit allen Mitgliedern der großen europäischen Familie.

Jetzt versucht man, uns schon wieder neue Teilungslinien und Mauern aufzudrängen –wenn auch virtuelle, trotzdem trennende, die unseren gesamten Kontinent teilen. Soll es nun etwa wieder viele Jahre und Jahrzehnte dauern und den Wechsel von einigen Politiker-Generationen, um diese neuen Mauern zu „demontieren“?

Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir treten eindeutig für die Festigung des Regimes der Nichtweiterverbreitung ein. Die bestehende völkerrechtliche Basis erlaubt es, eine Technologie zur Herstellung von Kernbrennstoff für friedliche Zwecke auszuarbeiten. Und viele Länder wollen auf dieser Grundlage eigene Kernenergie erzeugen als Basis ihrer energetischen Unabhängigkeit. Aber wir verstehen auch, dass diese Technologien schnell für den Erhalt waffenfähigen Materials transformiert werden können.

Das iranische Nuklearprogramm

Das ruft ernsthafte internationale Spannungen hervor. Das deutlichste Beispiel dafür ist die Situation um das iranische Atomprogramm. Wenn die internationale Gemeinschaft nicht eine kluge Entscheidung zur Lösung dieses Interessenkonflikts ausarbeitet, wird die Welt auch künftig von solchen destabilisierenden Krisen erschüttert werden, weil es mehr Schwellenländer gibt als den Iran, wie wir alle wissen. Wir werden immer wieder mit der Gefahr der Weiterverbreitung von Massenvernichtungsmitteln konfrontiert werden.

Im vergangenen Jahr hat Russland eine Initiative zur Schaffung multinationaler Zentren zur Urananreicherung vorgelegt. Wir sind dafür offen, solche Zentren nicht nur in Russland zu schaffen, sondern auch in anderen Ländern, wo eine legitime friedliche Kernenergiepolitik existiert. Staaten, welche die Erzeugung von Atomenergie entwickeln wollen, könnten garantiert Brennstoff über die unmittelbare Beteiligung an der Arbeit dieser Zentren erhalten, unter strenger Kontrolle der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEO).

Mit dem russischen Vorschlag im Einklang stehen auch die jüngsten Initiativen des USA-Präsidenten George W. Bush. Ich meine, dass Russland und die USA objektiv und in gleichem Maße an einer Verschärfung des Regimes der Nichtweiterverbreitung von Massenvernichtungsmitteln und den Mitteln ihrer Erlangung interessiert sind. Gerade unsere Länder, die mit ihrem Kernwaffen- und Raketenpotenzial an der Spitze stehen, sollten sich auch an die Spitze stellen bei der Ausarbeitung neuer, härterer Maßnahmen bei der Nichtweiterverbreitung. Russland ist dazu bereit. Wir führen Konsultationen mit unseren amerikanischen Freunden.

Internationale Zusammenarbeit im Energie-Sektor

Insgesamt sollten wir über die Schaffung eines ganzen Systems politischer Hebel und ökonomischer Anreize reden, unter denen die Staaten interessiert sind, nicht eigene Möglichkeiten für Kernbrennstoff-Zyklen zu schaffen, und trotzdem die Gelegenheit hätten, die Kernenergie für die Stärkung ihres Energiepotenzials zu nutzen.

In diesem Zusammenhang verweile ich etwas länger bei der internationalen Zusammenarbeit im Energiebereich. Die Frau Bundeskanzlerin hat ebenfalls kurz zu diesem Thema gesprochen. Im Energiebereich orientiert sich Russland auf die Schaffung von für alle einheitlichen Marktprinzipien und transparenter Bedingungen. Es ist offensichtlich, dass der Preis für Energieträger sich dem Markt anpassen muss und nicht zum Spielball politischer Spekulationen, ökonomischen Drucks oder von Erpressung sein darf.

Wir sind offen für Zusammenarbeit. Ausländische Unternehmen beteiligen sich an unseren größten Projekten zur Energiegewinnung. Nach unterschiedlichen Einschätzungen entfallen bis zu 26 Prozent des in Russland geförderten Erdöls – merken Sie sich bitte diese Zahl! – auf ausländisches Kapital. Versuchen Sie bitte, mir ein Beispiel von einer ähnlich breiten Beteiligung russischer Unternehmen an Schlüsselbereichen der Wirtschaft westlicher Staaten zu nennen. Es gibt keine!

Ich erinnere auch an das Verhältnis von Investitionen, die nach Russland kommen, und jener, die aus Russland in andere Länder auf der Welt gehen. Dieses Verhältnis ist etwa 15:1. Hier haben Sie ein leuchtendes Beispiel für die Offenheit und Stabilität der russischen Wirtschaft.

Russland und die Welthandelsorganisation (WTO)

Wirtschaftliche Sicherheit, das ist die Sphäre, in der sich alle an einheitliche Prinzipien halten müssen. Wir sind bereit, ehrlich zu konkurrieren.

Dafür hat die russische Wirtschaft immer mehr Möglichkeiten. Das schätzen auch die Analysten und unsere ausländischen Partner ebenso ein. So wurde erst kürzlich das Rating Russland in der OECD erhöht: aus der vierten Risikogruppe stieg unser Land in die dritte Gruppe auf. Ich möchte hier und heute in München die Gelegenheit nutzen, unseren deutschen Kollegen für die Zusammenarbeit bei der der genannten Entscheidung danken.

Weiter. Wie Sie wissen, ist der Prozess der Einbindung Russlands in die WTO in der Endphase. Ich stelle fest, dass wir im Laufe langer, schwieriger Verhandlungen nicht ein Wort über die Freiheit des Wortes, über Handelsfreiheit, Chancengleichheit gehört haben, sondern ausschließlich zu unserem, dem russischen Markt.

Noch zu einem anderen wichtigen Thema, das unmittelbar die globale Sicherheit beeinflusst. Heute reden viele von dem Kampf gegen die Armut. Aber was passiert denn wirklich? Einerseits werden für die Hilfsprogramme zugunsten der ärmsten Länder Finanzmittel zur Verfügung gestellt, und nicht einmal geringe. Aber ganz ehrlich, auch das wissen viele, ist es so, dass sich Unternehmen der Geber-Länder dieses Geld „aneignen“. Zur selben Zeit werden andererseits in den entwickelten Ländern die Subventionen in der Landwirtschaft aufrechterhalten, wodurch für andere der Zugang zur Hochtechnologie begrenzt wird.

Nennen wir die Dinge doch beim Namen: Mit der einen Hand wird „wohltätige Hilfe“ geleistet, aber mit der anderen wird nicht nur die wirtschaftliche Rückständigkeit konserviert, sondern auch noch Profit gescheffelt. Die entstehenden sozialen Spannungen in solchen depressiven Regionen führen unausweichlich zum Anwachsen des Radikalismus und Extremismus, nähren den Terrorismus und lokale Konflikte. Aber wenn das zudem noch, sagen wir, im Nahen Osten geschieht, unter den Bedingungen eines zugespitzten Verständnisses der äußeren Welt als einer ungerechten, dann entsteht das Risiko einer globalen Destabilisierung.

Es ist klar, dass die führenden Länder der Erde die Gefahr sehen müssen. Und dementsprechend ein demokratischeres, gerechteres System der wirtschaftlichen Beziehungen in der Welt schaffen müssen – ein System, dass allen die Chance und die Möglichkeit der Entwicklung geben muss.

Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)

Bei einem Auftritt auf der Sicherheitskonferenz darf man nicht mit Schweigen das Wirken der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa übergehen. Sie wurde bekanntermaßen gegründet, um alle – ich unterstreiche alle – Aspekte der Sicherheit zu überprüfen: den militärpolitischen, den ökonomischen, den humanitären – und dabei alle in ihrem Zusammenhang.

Was sehen wir heute in der Praxis? Wir sehen, dass dieses Gleichgewicht klar gestört ist. Es wird versucht, die OSZE in ein vulgäres Instrument der Absicherung außenpolitischer Interessen der einen oder anderen Staatengruppe gegenüber anderen Staaten zu verwandeln. Dieser Aufgabe wurde auch der bürokratische Apparat der OSZE untergeordnet, der überhaupt nicht mit den Teilnehmerländern verbunden ist. Dieser Aufgabe untergeordnet wurden auch die Prozeduren für die Annahme von Entscheidungen und die Ausnutzung so genannter „Nicht-Regierungs-Organisationen“. Ja, sie sind formal unabhängig, werden aber zielgerichtet finanziert, das heißt kontrolliert.

Entsprechend den allgemein gültigen Dokumenten, ist die OSZE aufgerufen, mit den Mitgliedsländern, auf deren Bitte hin, bei der Überwachung der Einhaltung internationaler Normen auf dem Gebiet der Menscherechte zusammenzuarbeiten. Das ist eine wichtige Aufgabe, die wir unterstützen. Aber das bedeutet keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten und erst recht nicht, diesen Staaten aufzudrängen, wie sie zu leben und sich zu entwickeln haben.

Es ist klar, dass eine solche Einmischung nicht dem Reifen von wirklich demokratischen Staaten dient. Im Gegenteil, es macht sie abhängig, und im Ergebnis dessen politisch und wirtschaftlich instabil.

Wir erwarten, dass die OSZE sich von ihren unmittelbaren Aufgaben leiten lässt und ihre Beziehungen mit den souveränen Staaten auf der Grundlage der Achtung, des Vertrauens und der Transparenz gestaltet.

Sehr geehrte Damen und Herren!

Zum Abschluss möchte ich Folgendes bemerken. Wir hören sehr oft, auch ich persönlich, von unseren Partnern, auch den europäischen, den Aufruf an Russland, eine noch aktivere Rolle in den Angelegenheiten der Welt zu spielen.

In diesem Zusammenhang gestatte ich mir eine kleine Anmerkung. Man muss uns kaum dazu ermuntern oder drängen. Russland ist ein Land mit einer mehr als tausendjährigen Geschichte und fast immer hatte es das Privileg, eine unabhängige Außenpolitik führen zu können.

Wir werden an dieser Tradition auch heute nichts ändern. Dabei sehen wir sehr genau, wie sich die Welt verändert hat, schätzen realistisch unsere eigenen Möglichkeiten und unser Potenzial ein. Und natürlich möchten wir gerne mit verantwortungsvollen und ebenfalls selbstständigen Partnern zusammenarbeiten am Aufbau einer gerechten und demokratischen Welt, in der Sicherheit und Aufblühen nicht nur für Auserwählte, sondern für alle gewährleistet ist.

Ich danke für die Aufmerksamkeit.

* Quelle: Die Internetzeitung russland.ru; http://russland.ru

Redetext auf englisch: http://en.kremlin.ru/events/president…

nteressant gestaltete sich auch die anschließende Diskussion, in deren Verlauf Putin eine Menge Fraghen beantworten musste. Hier geht es zur Abschrift der Diskussion:
„Bei allen Meinungsdifferenzen betrachte ich den Präsidenten der Vereinigten Staaten als meinen Freund“
Zur englischen Version der Rede geht es hier:
„The unipolar model is unacceptable in today’s world“.
Wer die Rede im russischen Original lesen möchte, geht auf die offizielle Seite des Präsidenten:
www.kremlin.ru.

Presseecho:

Merkels ungehaltene Replik auf Putins Münchner Rede

28. Februar 2007

Die Rede von Russlands Präsident Putin auf der Münchner Sicherheitskonferenz, in der er sich wie in Zeiten des Kalten Kriegs äußerst missfällig über die US-Politik äußerte, liegt mittlerweile fast zwei Wochen zurück. Trotzdem erscheint es uns lohnenswert, einen bemerkenswerten FAZ-Leserbrief vom 24. Februar zu dem Thema unseren Lesern zu präsentieren.

Der Verfasser Dr. Klaus Oppelt aus Besançon hätte sich auf die anti-amerikanische Münchner Rede von Putin eine fulminante Antwort-Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel gewünscht. Leider blieb sie ungehalten – und leider war auch Merkel damals nicht ungehalten.

https://www.spiegel.de/politik/auslan… „Wenn Putin die Welt tatsächlich als unipolar erlebt, dann wollte er wohl heute darauf aufmerksam machen, dass sich sein Russland dem nicht beugen will.“

https://www.zeit.de/online/2007/07/Pu… „Nach dem Auftritt Putins besteht für den Westen nicht der geringste Anlass zur Beruhigung.“

https://www.welt.de/politik/article69… „Viele Konferenzteilnehmer sind sich einig, dass Putins scharfe Rede in erster Linie für den heimischen Markt in Russland bestimmt ist. Amerikaner und Russen hätten viel zu viele gemeinsame Interessen, als dass sie sich auf einen neuen „Cold War“ einlassen könnten.“

https://www.reuters.com/article/us-ru… „NATO Secretary-General Jaap de Hoop Scheffer said he was disappointed by Putin’s statement that alliance enlargement was “a serious factor provoking reduced mutual trust”. “I see a disconnection between NATO’s partnership with Russia as it has developed and Putin’s speech,” he said.

Kremlin spokesman Dmitry Peskov, however, denied the Russian president was trying to provoke Washington. “This is not about confrontation. It’s an invitation to think,” he told reporters.“

https://www.ardmediathek.de/video/dok..

Phoenix, 2007

Ansprache des russischen Präsidenten am Morgen des 24. Februar 2022

https://zeitschrift-osteuropa.de/blog…

Pulverfass Ukz – PK von Wladimir Putin am 04.03.2014

Putins Ukraine-Rede im Wortlaut

»Neandertalerhafter und aggressiver Nationalismus und Neonazismus                  Knapp eine Stunde sprach Russlands Präsident Putin am Montagabend über die Ukraine, die Nato und den Westen – die Rede markiert eine Zäsur für Europas Sicherheit. Lesen Sie die Ansprache im Wortlaut.

23.02.2022, 19.38 Uhr

»Bürger Russlands, Freunde,

in dieser Rede geht es um die Ereignisse in der Ukraine und warum dies für uns, für Russland, so wichtig ist. Meine Botschaft richtet sich natürlich auch an unsere Landsleute in der Ukraine. Die Angelegenheit ist sehr ernst und muss eingehend erörtert werden.

Die Lage im Donbass hat ein kritisches, akutes Stadium erreicht. Ich wende mich heute direkt an Sie, um Ihnen nicht nur zu erklären, was passiert ist, sondern auch, um Sie über die getroffenen Entscheidungen und die möglichen weiteren Schritte zu informieren.

Ich möchte nochmals betonen, dass die Ukraine für uns nicht nur ein Nachbarland ist. Sie ist ein unveräußerlicher Teil unserer eigenen Geschichte, Kultur und unserer Religion. Es sind unsere Kameraden, die uns am Herzen liegen – nicht nur Kollegen, Freunde und Menschen, die einst zusammen gedient haben, sondern auch Verwandte, Menschen, die durch Blut, durch Familienbande verbunden sind.

Seit jeher bezeichnen sich die Menschen im Südwesten des historischen Russlands als Russen und orthodoxe Christen. Dies war vor dem 17. Jahrhundert der Fall, als ein Teil dieses Gebiets wieder an den russischen Staat angeschlossen wurde, und auch danach.

Wir haben den Eindruck, dass wir alle diese Tatsachen kennen, dass sie allgemein bekannt sind. Dennoch ist es notwendig, zumindest ein paar Worte über die Geschichte dieses Themas zu verlieren, um zu verstehen, was heute geschieht, um die Beweggründe für Russlands Handeln zu erklären und um zu erfahren, was wir erreichen wollen.

Ich beginne also mit der Tatsache, dass die moderne Ukraine vollständig von Russland geschaffen wurde, genauer gesagt vom bolschewistischen, kommunistischen Russland. Dieser Prozess begann praktisch unmittelbar nach der Revolution von 1917, und Lenin und seine Kameraden taten dies auf eine Art und Weise, die für Russland extrem hart war – durch die Abtrennung, die Abtrennung dessen, was historisch gesehen russisches Land ist. Niemand hat die Millionen von Menschen, die dort leben, gefragt, was sie davon halten.

»Ich werde mich der Sache sozusagen aus der Ferne nähern müssen.«

Vor und nach dem Großen Vaterländischen Krieg gliederte Stalin einige Gebiete, die zuvor zu Polen, Rumänien und Ungarn gehörten, in die UdSSR ein und übertrug sie der Ukraine. Dabei gab er Polen einen Teil des traditionell deutschen Bodens als Entschädigung, und 1954 nahm Chruschtschow Russland aus unbekanntem Grund die Krim weg und gab sie ebenfalls der Ukraine. Auf diese Weise entstand das Gebiet der heutigen Ukraine.

Doch nun möchte ich mich auf die Anfangszeit der UdSSR konzentrieren. Ich glaube, das ist sehr wichtig für uns. Ich werde mich der Sache sozusagen aus der Ferne nähern müssen.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass die Bolschewiki nach der Oktoberrevolution 1917 und dem anschließenden Bürgerkrieg eine neue Staatlichkeit schaffen wollten. In diesem Punkt waren sie sich untereinander ziemlich uneinig. Im Jahr 1922 bekleidete Stalin sowohl das Amt des Generalsekretärs der Kommunistischen Partei Russlands (Bolschewiki) als auch das des Volkskommissars für ethnische Angelegenheiten. Er schlug vor, das Land nach den Grundsätzen der Autonomisierung aufzubauen, d. h. den Republiken – den künftigen administrativen und territorialen Einheiten – nach ihrem Beitritt zu einem einheitlichen Staat weitreichende Befugnisse zu übertragen.

Trotz all dieser Herausforderungen hat Russland mit der Ukraine immer offen und ehrlich zusammengearbeitet und, wie ich bereits sagte, die Interessen des Landes respektiert. Wir haben unsere Verbindungen in mehreren Bereichen ausgebaut. Im Jahr 2011 betrug der bilaterale Handel mehr als 50 Milliarden US-Dollar. Ich möchte darauf hinweisen, dass 2019, also vor der Pandemie, der Handel der Ukraine mit allen EU-Ländern zusammengenommen unter diesem Indikator lag.

Gleichzeitig war auffällig, dass die ukrainischen Behörden es stets vorzogen, mit Russland so zu verfahren, dass sie alle Rechte und Privilegien genießen, aber von allen Verpflichtungen befreit sind.

Die Beamten in Kiew ersetzten die Partnerschaft durch eine schmarotzerhafte Haltung, die sich zuweilen äußerst dreist zeigte. Es genügt, an die ständigen Erpressungen bei den Energietransiten und die Tatsache zu erinnern, dass sie buchstäblich Gas gestohlen haben.

»Kiew hat versucht, den Dialog mit Russland als Druckmittel in seinen Beziehungen zum Westen zu nutzen«

Ich kann hinzufügen, dass Kiew versucht hat, den Dialog mit Russland als Druckmittel in seinen Beziehungen zum Westen zu nutzen, indem es die Drohung einer engeren Bindung an Russland nutzte, um den Westen zu erpressen und sich Präferenzen zu sichern, indem es behauptete, dass Russland andernfalls einen größeren Einfluss in der Ukraine haben würde.

Gleichzeitig haben die ukrainischen Behörden – das möchte ich betonen – damit begonnen, ihre Staatlichkeit auf der Negation all dessen aufzubauen, was uns vereint, und versucht, die Mentalität und das historische Gedächtnis von Millionen von Menschen, von ganzen Generationen, die in der Ukraine leben, zu entstellen. Es überrascht nicht, dass die ukrainische Gesellschaft mit dem Aufstieg des rechtsextremen Nationalismus konfrontiert wurde, der sich rasch zu aggressiver Russophobie und Neonazismus entwickelte. Dies führte zur Beteiligung ukrainischer Nationalisten und Neonazis an den Terrorgruppen im Nordkaukasus und zu den immer lauter werdenden Gebietsansprüchen an Russland.

Eine Rolle spielten dabei externe Kräfte, die ein weit verzweigtes Netz von Nichtregierungsorganisationen und Sonderdiensten nutzten, um ihre Klientel in der Ukraine zu pflegen und deren Vertreter an die Schaltstellen der Macht zu bringen.

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Es ist anzumerken, dass die Ukraine eigentlich nie stabile Traditionen echter Staatlichkeit hatte. Deshalb entschied sie sich 1991 für die gedankenlose Nachahmung ausländischer Modelle, die nichts mit der Geschichte und den ukrainischen Realitäten zu tun haben. Die politischen Regierungsinstitutionen wurden mehrfach an die schnell wachsenden Clans und ihre eigennützigen Interessen angepasst, die nichts mit den Interessen des ukrainischen Volkes zu tun hatten.

Die von den oligarchischen ukrainischen Behörden getroffene sogenannte prowestliche zivilisatorische Entscheidung zielte und zielt nicht darauf ab, bessere Bedingungen im Interesse des Wohlergehens der Menschen zu schaffen, sondern darauf, die Milliarden von Dollar zu behalten, die die Oligarchen den Ukrainern gestohlen haben und auf ihren Konten bei westlichen Banken lagern, während sie den geopolitischen Rivalen Russlands ehrfürchtig entgegenkommen

Einige Industrie- und Finanzkonzerne sowie die von ihnen bezahlten Parteien und Politiker haben sich von Anfang an auf die Nationalisten und Radikalen verlassen. Andere behaupteten, für gute Beziehungen zu Russland und für kulturelle und sprachliche Vielfalt zu sein, und kamen mithilfe ihrer Bürger an die Macht, die ihre erklärten Bestrebungen aufrichtig unterstützten, darunter auch die Millionen von Menschen in den südöstlichen Regionen. Doch nachdem sie die begehrten Ämter erhalten hatten, verrieten sie ihre Wähler sofort, indem sie ihre Wahlversprechen nicht einhielten und stattdessen eine Politik verfolgten, die von den Radikalen vorangetrieben wurde, und manchmal sogar ihre ehemaligen Verbündeten verfolgten – die öffentlichen Organisationen, die die Zweisprachigkeit und die Zusammenarbeit mit Russland unterstützten. Sie machten sich die Tatsache zunutze, dass ihre Wähler zumeist gesetzestreue Bürger mit gemäßigten Ansichten waren, die den Behörden vertrauten und im Gegensatz zu den Radikalen nicht aggressiv vorgingen oder zu illegalen Mitteln griffen.

»Eine stabile Staatlichkeit hat sich in der Ukraine nie herausgebildet«

In der Zwischenzeit wurden die Radikalen immer dreister in ihren Aktionen und stellten jedes Jahr mehr Forderungen. Es fiel ihnen leicht, den schwachen Behörden ihren Willen aufzuzwingen, die ebenfalls mit dem Virus des Nationalismus und der Korruption infiziert waren und die wirklichen kulturellen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen des Volkes und die wahre Souveränität der Ukraine kunstvoll durch verschiedene ethnische Spekulationen und formale ethnische Attribute ersetzten.

Eine stabile Staatlichkeit hat sich in der Ukraine nie herausgebildet; die Wahl- und sonstigen politischen Verfahren dienen nur als Deckmantel, als Projektionsfläche für die Umverteilung von Macht und Eigentum zwischen verschiedenen Oligarchenclans.

Die Korruption, die sicherlich für viele Länder, auch für Russland, eine Herausforderung und ein Problem darstellt, hat in der Ukraine das übliche Maß überschritten. Sie hat die ukrainische Staatlichkeit, das gesamte System und alle Bereiche der Macht buchstäblich durchdrungen und zersetzt.

Radikale Nationalisten machten sich die berechtigte öffentliche Unzufriedenheit zunutze, sattelten auf die Maidan-Proteste auf und ließen sie 2014 zu einem Staatsstreich eskalieren. Sie erhielten auch direkte Unterstützung von ausländischen Staaten. Berichten zufolge stellte die US-Botschaft täglich 1 Million Dollar zur Unterstützung des sogenannten Protestcamps auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew zur Verfügung. Darüber hinaus wurden große Beträge direkt auf die Bankkonten der Oppositionsführer überwiesen, mehrere zehn Millionen Dollar. Aber die Menschen, die tatsächlich gelitten haben, die Familien derjenigen, die bei den Zusammenstößen auf den Straßen und Plätzen von Kiew und anderen Städten ums Leben gekommen sind, wie viel haben sie am Ende bekommen? Besser nicht fragen.

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Die Proteste auf dem Maidanplatz haben die Ukraine der Demokratie und dem Fortschritt nicht näher gebracht. Nach ihrem Staatsstreich führten die Nationalisten und die sie unterstützenden politischen Kräfte die Ukraine schließlich in eine Sackgasse und stießen das Land in den Abgrund des Bürgerkriegs. Acht Jahre später ist das Land gespalten. Die Ukraine hat mit einer akuten sozioökonomischen Krise zu kämpfen.

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In der Ukraine gibt es keine unabhängige Justiz. Die Kiewer Behörden haben auf Verlangen des Westens das vorrangige Recht zur Auswahl der Mitglieder der obersten Justizorgane, des Justizrats und der Kommission für die hohe Qualifikation der Richter, an internationale Organisationen übertragen.

Darüber hinaus kontrollieren die Vereinigten Staaten direkt die Nationale Agentur für Korruptionsprävention, das Nationale Büro für Korruptionsbekämpfung, die Spezialisierte Staatsanwaltschaft für Korruptionsbekämpfung und das Oberste Gericht für Korruptionsbekämpfung. All dies geschieht unter dem hehren Vorwand, die Korruptionsbekämpfung zu verstärken. Na gut, aber wo sind die Ergebnisse? Die Korruption blüht wie nie zuvor.

Ist dem ukrainischen Volk bewusst, dass sein Land auf diese Weise verwaltet wird? Ist ihnen klar, dass ihr Land nicht einmal mehr ein politisches oder wirtschaftliches Protektorat ist, sondern zu einer Kolonie mit einem Marionettenregime degradiert wurde? Der Staat wurde privatisiert. Infolgedessen handelt die Regierung, die sich selbst als »Macht der Patrioten« bezeichnet, nicht mehr national und treibt die Ukraine konsequent auf den Verlust ihrer Souveränität zu.

Die Politik zur Ausrottung der russischen Sprache und Kultur und zur Förderung der Assimilierung wird fortgesetzt. Die Werchowna Rada hat einen ständigen Strom diskriminierender Gesetzesentwürfe hervorgebracht, und das Gesetz über die sogenannte indigene Bevölkerung ist bereits in Kraft getreten. Menschen, die sich als Russen identifizieren und ihre Identität, Sprache und Kultur bewahren wollen, erhalten das Signal, dass sie in der Ukraine nicht erwünscht sind.

Nach den Gesetzen über das Bildungswesen und die ukrainische Sprache als Staatssprache hat die russische Sprache keinen Platz in Schulen oder öffentlichen Räumen, selbst in gewöhnlichen Geschäften. Mit dem Gesetz über die sogenannte Überprüfung von Beamten und die Säuberung ihrer Reihen wurde ein Weg geschaffen, um unerwünschte Beamte loszuwerden.

Es gibt immer mehr Gesetze, die es dem ukrainischen Militär und den Strafverfolgungsbehörden ermöglichen, gegen die Meinungsfreiheit und abweichende Meinungen vorzugehen und die Opposition zu verfolgen. Die Welt kennt die bedauerliche Praxis der Verhängung einseitiger illegitimer Sanktionen gegen andere Länder, ausländische natürliche und juristische Personen. Die Ukraine hat ihre westlichen Herren übertrumpft, indem sie Sanktionen gegen ihre eigenen Bürger, Unternehmen, Fernsehsender, andere Medien und sogar Parlamentsmitglieder erfunden hat.

Im März 2021 wurde in der Ukraine eine neue Militärstrategie verabschiedet. Dieses Dokument ist fast ausschließlich der Konfrontation mit Russland gewidmet und zielt darauf ab, ausländische Staaten in einen Konflikt mit unserem Land zu verwickeln. Die Strategie sieht die Organisation einer sogenannten terroristischen Untergrundbewegung auf der russischen Krim und im Donbass vor.

Darin werden auch die Konturen eines möglichen Krieges skizziert, der nach Ansicht der Kiewer Strategen »mithilfe der internationalen Gemeinschaft zu günstigen Bedingungen für die Ukraine« sowie – hören Sie bitte gut zu – »mit ausländischer militärischer Unterstützung in der geopolitischen Konfrontation mit der Russischen Föderation« enden soll. In Wirklichkeit ist dies nichts anderes als die Vorbereitung von Feindseligkeiten gegen unser Land, Russland.

Wie wir wissen, wurde heute bereits erklärt, dass die Ukraine beabsichtigt, ihre eigenen Atomwaffen zu entwickeln, und das ist keine bloße Prahlerei. Die Ukraine verfügt über die in der Sowjetzeit entwickelten Nukleartechnologien und die Trägersysteme für solche Waffen, darunter Flugzeuge, sowie über die taktischen Präzisionsraketen sowjetischer Bauart Tochka-U mit einer Reichweite von über 100 Kilometern. Aber sie können mehr tun; es ist nur eine Frage der Zeit. Die Voraussetzungen dafür haben sie schon seit der Sowjetära geschaffen.

»Die Beschaffung taktischer Atomwaffen wird für die Ukraine viel einfacher sein als für einige andere Staaten«

Mit anderen Worten: Die Beschaffung taktischer Atomwaffen wird für die Ukraine viel einfacher sein als für einige andere Staaten, die ich hier nicht nennen werde, die solche Forschungen betreiben, insbesondere wenn Kiew ausländische technologische Unterstützung erhält. Auch das können wir nicht ausschließen.

Falls die Ukraine in den Besitz von Massenvernichtungswaffen kommt, wird sich die Lage in der Welt und in Europa drastisch verändern, insbesondere für uns, für Russland. Wir können nicht anders, als auf diese reale Gefahr zu reagieren, zumal, ich wiederhole es, die westlichen Schutzmächte der Ukraine helfen könnten, diese Waffen zu erwerben und so eine weitere Bedrohung für unser Land schaffen.

[…]

In den letzten Jahren waren Militärkontingente der Nato -Staaten, unter dem Vorwand von Übungen, fast ständig auf ukrainischem Gebiet präsent. Das ukrainische Truppenkontrollsystem ist bereits in die Nato integriert worden. Das bedeutet, dass das Nato -Hauptquartier den ukrainischen Streitkräften direkte Befehle erteilen kann, sogar an ihre einzelnen Einheiten und Truppenteile.

Die Vereinigten Staaten und die Nato haben damit begonnen, das ukrainische Territorium auf unverschämte Art und Weise als Schauplatz möglicher Militäroperationen zu nutzen. Ihre regelmäßigen gemeinsamen Truppenübungen sind offensichtlich antirussisch ausgerichtet. Allein im letzten Jahr waren über 23.000 Soldaten und mehr als tausend Einheiten militärischen Geräts beteiligt.

Es wurde bereits ein Gesetz verabschiedet, das es ausländischen Truppen erlaubt, 2022 in die Ukraine zu kommen, um an multinationalen Übungen teilzunehmen. Natürlich handelt es sich dabei in erster Linie um Nato -Truppen. Für dieses Jahr sind mindestens zehn dieser gemeinsamen Übungen geplant.

Es liegt auf der Hand, dass solche Unternehmungen als Deckmantel für einen raschen Aufbau der Nato-Militärpräsenz auf ukrainischem Gebiet dienen sollen. Dies gilt umso mehr, als das Netz der mithilfe der USA ausgebauten Flughäfen Kiew-Boryspil, Iwano-Frankiwsk, Tschuhujiw und Odessa, um nur einige zu nennen, in der Lage ist, Armee-Einheiten in kürzester Zeit zu verlegen. Der ukrainische Luftraum ist offen für Flüge von amerikanischen strategischen Bombern und Aufklärungsflugzeugen sowie Drohnen, die russisches Gebiet überwachen.

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Die Ukraine beherbergt Nato -Ausbildungsmissionen, die in Wirklichkeit ausländische Militärstützpunkte sind. Sie nannten eine Militärbasis einfach eine Mission und damit hatte sich die Sache erledigt.

Kiew hat vor langer Zeit einen strategischen Kurs für den Beitritt zur Nato verkündet. In der Tat hat jedes Land das Recht, sein eigenes Sicherheitssystem zu wählen und Militärbündnisse einzugehen. Das wäre auch kein Problem, wenn es nicht ein »aber« gäbe. In internationalen Dokumenten ist ausdrücklich der Grundsatz der gleichen und unteilbaren Sicherheit verankert, der die Verpflichtung beinhaltet, die eigene Sicherheit nicht auf Kosten der Sicherheit anderer Staaten zu stärken. So steht es in der 1999 in Istanbul verabschiedeten OSZE-Charta für europäische Sicherheit und in der OSZE-Erklärung von Astana 2010.

Mit anderen Worten: Das gewählte Sicherheitssystem sollte keine Bedrohung für andere Staaten darstellen, während der Beitritt der Ukraine zur Nato eine direkte Bedrohung für die Sicherheit Russlands ist.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass die Vereinigten Staaten auf dem Nato-Gipfel in Bukarest im April 2008 einen Beschluss durchgesetzt haben, demzufolge die Ukraine, und übrigens auch Georgien, Nato-Mitglieder werden sollten. Viele europäische Verbündete der Vereinigten Staaten waren sich der Risiken, die mit diesem Vorhaben verbunden waren, schon damals bewusst, mussten sich aber dem Willen ihres wichtigsten Partners beugen. Die Amerikaner haben sie einfach benutzt, um eine eindeutig antirussische Politik zu betreiben.

Eine Reihe von Nato-Mitgliedstaaten steht einem Nato-Beitritt der Ukraine immer noch sehr skeptisch gegenüber. Aus einigen europäischen Hauptstädten erhalten wir Signale, dass wir uns keine Sorgen machen sollen, da dies nicht einfach über Nacht geschehen werde. Auch unsere amerikanischen Partner äußern sich in diesem Sinne. »Na gut«, antworten wir, »wenn es nicht morgen passiert, dann eben übermorgen. Was ändert das an der historischen Perspektive? Rein gar nichts.«

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Als 1990 über die deutsche Wiedervereinigung diskutiert wurde, versprachen die Vereinigten Staaten der sowjetischen Führung, dass der Geltungsbereich oder die militärische Präsenz der Nato keinen Zentimeter nach Osten ausgedehnt wird und dass die Wiedervereinigung Deutschlands nicht zu einer militärischen Ausdehnung der Nato nach Osten führen wird. Dies ist ein Zitat.

Sie gaben viele mündliche Zusicherungen ab, die sich allesamt als leere Versprechungen entpuppten. Später begannen sie uns zu versichern, dass der Beitritt der mittel- und osteuropäischen Länder zur Nato nur die Beziehungen zu Moskau verbessern und diesen Ländern die Angst nehmen würde, die aus ihrem bitteren historischen Erbe herrühren, und sogar einen Gürtel von Ländern schaffen würde, die Russland gegenüber freundlich eingestellt sind.

Allerdings geschah genau das Gegenteil. Die Regierungen einiger osteuropäischer Länder, die auf Russophobie spekulierten, brachten ihre Komplexe und Stereotypen über die russische Bedrohung in das Bündnis ein und bestanden darauf, das kollektive Verteidigungspotential auszubauen und in erster Linie gegen Russland einzusetzen. Schlimmer noch, dies geschah in den 1990er und frühen 2000er-Jahren, als die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen dank unserer Offenheit und unseres guten Willens ein hohes Niveau erreicht hatten.

[…]

Außerdem werde ich etwas sagen, was ich noch nie öffentlich gesagt habe, ich werde es jetzt zum ersten Mal sagen. Als der damals scheidende US-Präsident Bill Clinton im Jahr 2000 Moskau besuchte, fragte ich ihn, was Amerika von einem Beitritt Russlands zur Nato halten würde.

Ich werde nicht alle Einzelheiten dieses Gesprächs preisgeben, aber die Reaktion auf meine Frage war, sagen wir, eher zurückhaltend, und die wahre Einstellung der Amerikaner zu dieser Möglichkeit lässt sich in der Tat an ihren nachfolgenden Schritten in Bezug auf unser Land ablesen. Ich beziehe mich auf die offene Unterstützung von Terroristen im Nordkaukasus, die Missachtung unserer Sicherheitsanforderungen und -belange, die kontinuierliche Erweiterung der Nato, den Rückzug aus dem ABM-Vertrag und so weiter. Es stellt sich die Frage: Warum?

Worum geht es bei all dem, was ist der Zweck? Nun gut, sie wollen uns nicht als Freunde oder Verbündete sehen, aber warum machen sie uns zum Feind?

Darauf kann es nur eine mögliche Antwort geben: Es geht nicht um unser politisches Regime oder etwas Ähnliches. Sie können einfach kein großes und unabhängiges Land wie Russland gebrauchen. Das ist die Antwort auf alle Fragen. Dies ist die Quelle der traditionellen amerikanischen Politik gegenüber Russland. Daher auch die Haltung zu allen unseren Sicherheitsvorschlägen.

[…]

[…]

Die Situation verschlechtert sich weiter, auch im strategischen Bereich. So werden im Rahmen des US-Projekts zur Schaffung eines globalen Raketenabwehrsystems in Rumänien und Polen Stellungen für Abfangraketen errichtet. Es ist allgemein bekannt, dass die dort stationierten Abschussrampen für Tomahawk-Marschflugkörper – offensive Angriffssysteme – verwendet werden können.

Nachdem die USA den INF-Vertrag gekündigt haben, hat das Pentagon offen zahlreiche landgestützte Angriffswaffen entwickelt, darunter ballistische Raketen, die Ziele in einer Entfernung von bis zu 5.500 km treffen können. Wenn solche Systeme in der Ukraine stationiert werden, können sie Ziele im gesamten europäischen Teil Russlands erreichen. Die Flugzeit von Tomahawk-Marschflugkörpern nach Moskau wird weniger als 35 Minuten betragen;

ballistische Raketen aus Charkow benötigen sieben bis acht Minuten und Hyperschall-Angriffswaffen vier bis fünf Minuten. Das ist wie ein Messer an der Kehle. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie hoffen, diese Pläne zu verwirklichen, wie sie es in der Vergangenheit schon oft getan haben, indem sie die Nato nach Osten ausdehnten, ihre militärische Infrastruktur an die russischen Grenzen verlegten und unsere Bedenken, Proteste und Warnungen völlig ignorierten. Verzeihen Sie mir das so zu sagen, aber sie haben sich einfach nicht für derlei Belange interessiert und getan, was sie für notwendig hielten.

[…]

Im vergangenen Dezember haben wir unseren westlichen Partnern den Entwurf eines Vertrages zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten von Amerika über Sicherheitsgarantien sowie den Entwurf eines Abkommens über Maßnahmen zur Gewährleistung der Sicherheit der Russischen Föderation und der Nato-Mitgliedstaaten übergeben.

Pulverfass Ukz – PK von Wladimir Putin am 04.03.2014

Putins Ukraine-Rede

»Neandertalerhafter und aggressiver Nationalismus und Neonazismus 

Anschluss der Krim an Russland

Rede vom 28.03.2014 

Rede von Wladimir Putin (russischer Präsident) anlässlich des Krim-Referendums im Unterhaus. Mit Unterzeichnung des Vertrags über den Anschluss der Krim an Russland.

Analyse und Kommentar von Ingo Mannteufel (Russlandexperte Deutsche Welle) 

Moderation: Sven Thomsen

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